Humor: die Königsdisziplin beim Schreiben

Einen wirklich witzigen Text zu schreiben, ist vielleicht eine der schwersten Aufgaben überhaupt. Humor scheint mir nicht so leicht erlernbar zu sein wie viele andere Techniken: Man hat ihn oder man hat ihn eben nicht. Auch in den einschlägigen Büchern zum „Kreativen Schreiben“ wird dieses Thema auffallend selten abehandelt.

Nichtsdestoweniger lässt sich Komik trainieren. Das Erzählen von Witzen üben. Und auch der gekonnte Einsatz in jedweder Art von Literatur erarbeiten. Nach der Spannung soll deshalb hier in der Rubrik „Schreiben lernen“ der Humor behandelt werden. Was ist lustig? Und warum? Und warum ist es so verdammt schwierig, witzig zu sein?

Wieder möchte ich das große Archiv von youtube nutzen – hier ein erstes Beispiel aus Scharfe Kurven für Madame von 1966:

Humor hat irrsinnig viele Facetten – das ist vielleicht die erste wichtige Einsicht. Einige davon werden in diesem Ausschnitt gezeigt: Da ist zum einen Louis de Funès selbst – die komische Figur, der Clown, der Possenreisser und Pantomime. Kurz gesagt, jemand, der andere zum Lachen bringt. Ob Stan Laurel, Charlie Chaplin, Fernandel, Otto oder Jerry Lewis – allein über Mimik und Gestik bringen sie uns zum Lachen. Auf das Thema Schreiben bezogen heißt das: Kann ich eine komische Figur in meinen Text einbauen? Brauche ich Sie? Funktioniert sie? Eine tragisch-komische Hauptfigur wie Don Quichotte oder einen witzigen Sidekick wie Sam Hawkings in Winnetou?
Die Szene zeigt darüber hinaus erstens das Prinzip der Imitation: Nachahmung bishin zum Nachäffen ist komisch. Und im besten Fall – wie hier bei Louis de Funès – eine Imitation, bei der das Lachen leicht im Hals stecken bleibt.
Ein zweites Prinzip: die Übertreibung. Witze funktionieren durch ihre Maßlosigkeit, mit der sie Alltägliches ins Groteske verzerren (etwa Blondinen, Ostfriesen oder Mantafahrer). Das lässt sich beim Schreiben gut nutzen.
Und auch eine dritte Humor-Technik findet sich bei Louis de Funès: Ungewohntes kombinieren. Und dadurch neue Schichten und Sichten offenbar werden lassen, die – komisch sind: Hier ist’s die Kombination von Kochrezept und Hitler-Rhetorik. Als viertes Prinzip schließlich soll noch der Moment der Überraschung angesprochen werden: Man wundert sich erst nur sacht, was da für komische Schatten in de Funès Gesicht flattern, bis die Verwandlung eintritt …

Für alle Schriftsteller besonders reizvoll ist natürlich der Sprachwitz. Klassiker stammen etwa von Ernst Jandl:

lichtung
manche meinen
lechts und rinks
könne man nicht velwechsern
werch ein illtum!

Ganz andere Klassiker, wie „zum Bleistift“, stammen von diesem Herrn:

Heinz Erhardts Technik ist einfach: Er kombiniert – das aber gnadenlos gut – alltägliche Sätze und Floskeln zu neuen Ausdrücken, wie hier das ironisierende „das macht sogut wie fast gar nichts“. Außerdem nutzt auch er die Prinzipien Übertreibung (der Berg muss natürlich der größte aller Berge sein) und Überraschung am Ende. Beide Prinzipien steigern sich gegenseitig: Die Schlusspointe wirkt um so stärker, je größer der Berg und sein Getöse.

Humor ist eines der menschlichen Grundgefühle überhaupt – Jesus hat bestimmt gerne Witze erzählt. Da leider keiner davon überliefert ist, hier eine Anekdote aus der Zeit um 480 v. Chr.: Der ägyptische Pharao Xerxes I. drohte den Griechen vor einer Schlacht: „Ich habe so viele Bogenschützen, dass ihre Pfeile die Sonne verdunkeln werden!“ Der Grieche Leonidas soll darauf geantwortet haben: „Umso besser – dann kämpfen wir im Schatten!“

Und das wäre ein Beispiel für ein weiteres Prinzip in der Kunst der Komik: Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Imitation, Übertreibung, ungewohnte Kombinationen, Überraschung (also letztlich die Pointe) und Wortwitz – mit diesen fünf Bereichen lässt sich im Text arbeiten.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen eine humorvolle Woche!

 

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