Schreib-Werkzeug: „Der Weg des Künstlers“

Heute ein Werkzeug für AutorInnen in Buchform: „Der Weg des Künstlers“ von Julia CameronCameron_Weg des Künstlers (Drehbuchautorin, Bestsellerin und eine der fünf Ehefrauen von Taxi Driver-Regisseur Martin Scorsese). Wer das Buch schon kennt, für den ist es wahrscheinlich ein besonders alter Hut – schließlich hat der 1992 erschienene Text schon einige Jahre auf dem Buckel und gilt mittlerweile als Klassiker. Wer dieses Übungsprogramm allerdings nicht kennt und keine Berührungsängste zu esoterisch angehauchten Texten hat, der sollte Camerons speziellen Kreativitäts-Training wahrlich eine Chance geben. Mir persönlich hat dieser „spirituelle Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität“ (wie der Untertitel lautet) sehr, sehr gut gefallen.

„Der Weg des Künstlers“ ist als 12-Wochen-Programm konzipiert – mitmachen ist also angesagt. Zwar öffnet auch die Lektüre allein manche Augen, aber erst das Ausführen der jeweiligen Übungen und Aufgaben führt zu einem echten Effekt. Herzstück des Cameronschen Künstlerweges sind die Morgenseiten: Drei gleich nach dem Aufstehen automatistisch und ohne innere Zensur zu schreibende DIN A 4-Seiten. Dadurch soll zum einen der seelische „Mülleimer“ ausgeleert, zum anderen der Kontakt zur Kunst, zum Text, zum eigenen Projekt intensiviert werden.

Fast ebenso wichtig ist das, was Cameron den „Künstlertreff“ nennt, eine bindende Verabredung mit mir selbst, ein zeitlich genau festgelegtes Treffen mit dem Künstler in mir: an alltäglichen, besonderen oder einfach nur neuen Orten.

Schon allein diese beiden Werkzeuge empfand ich als ziemlich mächtig und wertvoll. Dazu kommen wöchentlich wechselnde Aufgaben, die ebenfalls ganz schön intensiv sein können: Sieben Tage ohne eine einzige Zeile zu lesen – das war für mich eine kaum zu bewältigende Prüfung (voller Neid schielte ich in der U-Bahn auf die Zeitungsleser mir gegenüber …).

„Der Weg des Künstler“ leidet – meiner Ansicht nach – einzig unter der Verwendung dieser speziell in amerikanischen Ratgeber-Büchern so beliebten Fallbeispielen: Bob war ein depremierter Schriftsteller, dann machte er das und das, und, oh Wunder, er wurde glücklich bis ans Lebensende. Solche Berichte kann ich als Leser weder überprüfen, noch lerne ich daraus irgendetwas, das nicht schon vorher beschrieben wurde. Aber egal – diese Beispiele lassen sich ja überblättern.

Sehr schön fand ich dagegen die eingestreuten Zitate zur Kreativität und immer wieder zu treffende Vereinbarungen, persönliche Regeln oder einfach nur wichtige Hinweise: Etwa den Tipp, dass man seinen kreativen Brunnen auch immer wieder auffüllen sollte. Bei übermäßigen Gebrauch wiederholen wir uns – und trocknen aus.

Zum Schluss noch zwei meiner Lieblings-Sprüche:

Großer Schöpfer, ich werde auf die Quantität achten – achte du auf die Qualität!

und:

Meine Aufgabe ist die Arbeit zu tun – und nicht sie zu bewerten.

In diesem Sinne: Lasst Eurer Kreativität ihren Lauf und geht Euren schreibenden Pfad!

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