Ein neues Wort in der Sammlung …

Sicher kennt Ihr die Begeisterung, die ein neu entdecktes Wort auslöst. Ich meine damit keine Neuprägungen – kein „Selfie-Stick“ oder „Fußgehende“ (ein Vorschlag der Grünen als Ersatz für das ach so sexistische, weil eindeutig männliche „Fußgänger“) – sondern Worte, die schon lange existieren, über die man aber aus irgendeinem Grund noch nie gestolpert ist. In lyrischer Form habe ich letztens ja schon über die Freude an neuen Wörtern geschrieben, sodass ein „prosaischer“ Nachschlag mir heute angemessen scheint.

Denn vor ein paar Tagen entdeckte ich wieder einmal ein neues Wort: In einer von diesen prinzipiell drögen Zeitschriften blätternd, die unsere Krankenkasse uns allmonatlich zuschickt, fand ich folgendes Wort: umami.

In dem Bericht ging es um den Geschmackssinn des Menschen. Offenbar schmecken wir – glaubt man den Medizinern – genau fünf Geschmacksrichtungen: süß, sauer, salzig, bitter und – tata!- umami. Dieses japanische Wort bedeutet soviel wie „herzhaft, fleischig, pikant und köstlich“. 1908 vom japanischen Chemiker Ikeda Kikunae endeckt, wurde es erst knapp 100 Jahre später von amerikanischen Wissenschaftlern bestätigt: Da gibt es wohl tatsächlich Geschmacksknospen auf unserer Zunge, die Glutaminsäure anzeigen. Das gute, alte Glutamat. Und das ist „umami“.

Ich gebe zu: Wirklich geschmeckt habe ich das noch nicht – obwohl ich nach der Lektüre dieses Berichts bei jeder Mahlzeit meine Zunge tasten lasse. Aber egal: Zumindest entdeckte ich auf meiner schrifstellerischen Entdeckungsreise einen neuen Wortkontinent. Umami.

Meine tägliche Dröhnung in diesem Zusammenhang hole ich mir übrigens von der langstrümpfin auf ihrem schönen Blog wortgewald. Sie stellt täglich ein besonderes Wort unserer Buchstabenwelt vor, manche bekannt, manche nicht. So lauten ihre letzten Einträge etwa: „guesstimate“, „angezuckert“ und „goschat“. Sehr zu empfehlen.

Und da wir gerade bei Linktipps sind: Ein „Wort des Tages“ zeigt auch Wildgans auf ihrem Weblog. Ich gestehe, noch habe ich die Systematik dahinter nicht verstanden, dennoch erfreue ich mich täglich an diesen Posts. Eine Fokussierung auf die „kleinen“ Worte. Wildgans‘ letzte drei waren übrigens: „Morgenrituale“, „sich verdingen“ und „adoptiert“.

Ah, das Wunder der Wörter. Seid Ihr auch so gerne auf der Suche nach ihnen? Wo entdeckt Ihr neue?

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11 Gedanken zu “Ein neues Wort in der Sammlung …

    1. Jaaaa, ich beneide Euch Österreicher oft um Euren Sprachgebrauch. Ohne in Klischees verfallen zu wollen, hat er etwas positiveres, freundlicheres als bei uns Pifkes. Und nie werde ich die Hundehäufchen-Werbung vor ein paar Jahren vergessen, wo es hieß „Nimm ein Sackerl für mein Gackerl“ (hoffe, ich hab das richtig erinnert) 🙂

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  1. Danke für den feinen Beitrag und die interessanten Hinweise. 🙂 Für mich sind Herkunftswörterbücher immer wieder eine spannende Quelle. Diese müssen nicht einmal unbedingt die deutsche Sprache betreffen – denn oft gibt es Querverweise auf sprachliche Verwandtschaften.

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      1. Ja, da gibt es einige – nicht nur reine Etymologiewörterbücher sondern auch Wörterbücher mit bedeutendem Etymologieanteil:
        Der Kluge gehört dazu, das Etymologische Wörterbuch des Deutschen aus dem dtv-Verlag und das PONS Wörterbuch der deutschen Umgangssprache (beide aktuell nicht im Buchhandel), der deutsche Wortschatz nach Sachgruppen von Franz Dornseiff und das dreibändige Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten von Lutz Röhrich. Ganz wichtig das Wörterbuch der Gebrüder Grimm (die gedruckte Ausgabe habe ich verschenkt, ich benutze jetzt die Online Version http://woerterbuchnetz.de/DWB/). Das sind so einige der wichtigsten Quellen. 🙂

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