Warum mir das Kingsche „Sleeping Beauties“ nicht gefiel – und was wir Schreibenden daraus lernen können

King_Sleeping BeautiesAls bekennender Fan freue ich mich auf jeden neuen Stephen King und verbringe meist etliche lesefreudige Stunden mit diesen Büchern. In den letzten Jahren konnten mich etwa die Trilogie um den Ex-Detective Bill Hodges („Mr. Mercedes“, „Finderlohn“ und „Mind Control“), der Zeitreise-Roman „Der Anschlag“ oder die späte Shining-Fortsetzung „Doctor Sleep“ bestens unterhalten. Ich mochte die Bücher mal mehr, mal weniger – Spaß aber machten sie alle. Das war bei „Sleeping Beauties“ (leider Gottes) nicht der Fall: Durch diesen Roman quälte ich mich lustlos, musste mich letztlich sogar zum Weiterlesen zwingen. Warum das so war, und was wir Autorinnen und Autoren vielleicht daraus lernen können, das trieb mich um und führte zu diesem Blogeintrag. Ich werde dabei weder auf die Co-Autorschaft mit Sohn Owen eingehen (die man dem Buch übrigens mitnichten anmerkt: „Sleeping Beauties“ ist ein typisch-glasklar-klassischer Stephen King) noch allzu große Spoiler anbringen. Kleinere ließen sich freilich nicht vermeiden.

Bevor ich jetzt mit dem großen Meckern anfange – die Grundidee des Romans (obwohl nun auch nicht wirklich originell) gefiel mir: Was passiert, wenn alle Frauen der Welt einschlafen? Aber mit einer Idee allein …

Egal – hier die sechs Gründe, warum ich den Roman nicht mochte – und was wir draus lernen könnten:

1. Zu großes Personal
Das macht King ja gerne: Die Geschichte spielt in einer Kleinstadt – und gefühlt alle Bewohner dieser Kleinstadt spielen mit. Aber was in Romanen wie „Es“ wunderbar funktioniert, klappt in „Sleeping Beauties“ nicht. Eine Figur nach der anderen wird uns vorgesetzt, bekommt ein paar Charakterpinselstriche ab und verschwindet wieder (bis zum übernächsten Kapitel). Nie hatte ich das Gefühl, wie in anderen kingschen Romanen wirklich einen organisch gewachsenen Ort zu bereisen, eine lebendige Stadt zu erleben. Die Figuren der Geschichte werden fast schon mechanisch abgearbeitet, eine nach der anderen. Und es sind eben so viele – allein das Personenverzeichnis am Anfang zählt 70 Figuren auf! Besonders in Kombination mit dem nächsten Punkt (2) ist das ziemlich tödlich.
Was wir lernen könnten: Auch Tolstoi oder Thomas Mann jonglieren mit einer Vielzahl an Figuren. Wenn wir mit solchen Meistern aber nicht konkurrieren können, gilt wie so oft: Weniger ist mehr.

2. Die Charaktere berühren mich nicht
Keine der Figuren mochte ich. Noch schlimmer: 90 % des Personals (das ja leider so groß ist, siehe Punkt 1) war mir schlichtweg völlig egal. Obwohl es King auch in „Sleeping Beauties“ schafft, mit wenigen Sätzen einen Charakter lebendig und farbig zu zeichnen, sind die erschaffenen Figuren zum Großteil einfach langweilig. Oder unsympathisch. Oder klischeehaft. Oder alles zusammen. Das gilt leider und vor allem auch für die drei Hauptfiguren: Das Ehepaar Lila und Clint Norcross berührte mich kaum, der eifersüchtelnde Eingangskonflikt dieses Paares wirkte aufgesetzt und löste sich geradezu lächerlich auf. Meine nicht vorhandene Sympathie für Herrn und Frau Norcross (samt blassem Sohnemann) sank in der Folge davon sogar in den negativen – von indifferent zu nervig – Bereich. Gleiches gilt für die dritte Protagonistin, die geheimnisvolle Natur/Gott/Schicksals-Kraft namens Evie, die nach ihrem starken ersten Auftritt (samt hohem Splatter-Faktor) fremd und belanglos bleibt (schließlich daddelt sie am liebsten mit ihrem Handy). Wenn mich aber keine der Figuren berührt, wenn ich kein Identifikations-Angebot bekomme, dann ist die Geschichte schon kurz vorm Scheitern.
Was wir lernen müssen: Charaktere sind extrem wichtig. Wenn selbst einem Weltklasse-Portraitisten wie King so ein Fehler unterlaufen kann – dann sollten wir nur noch mehr darauf achten.

3. Der Wiederholungs-Effekt schlägt extrem negativ zu Buche
Eine Seuche bricht aus? Die Apokalypse droht? Abgeschnitten von der restlichen Welt? All das hat Stephen King schon oft verbraten, etwa in „Pulse“, „Arena“ oder „The Last Stand“. Prinzipiell nicht schlimm, schließlich wiederholen viele Schriftsteller ihre Inhalte und Ideen. Aber: Das neue Buch darf dann eben nicht schlechter sein als die älteren Variationen. Dann fühle ich mich als Leser zutiefst betrübt – um es mal höflich auszudrücken.
Was wir lernen können: Wenn du schon dasselbe Buch nochmal schreibst, dann MUSS es besser werden als das alte.

4. Das Buch ist zu dick
Ich gehöre eigentlich zu den Lesern, die fette Wälzer lieben, verliere ich mich doch gern in einer tausendseitigen Welt. In Kombination mit den Punkten 1 bis 3 ist die schiere Länge von „Sleeping Beauties“ (959 Seiten) aber ein absoluter Abturner.
Zu lernen: Kürzen ist immer, IMMER, IMMER gut.

5. Die Sprache ist stellenweise merkwürdig flapsig
Inwieweit dieser Punkt mit der Übersetzung von Bernhard Kleinschmidt zu tun hat, kann ich nicht beurteilen. Mir fiel aber über weite Strecken der flapsige, übertrieben lässige Tonfall auf – und zwar unangenehm. Ein Sprachklang zwischen Groschenroman und gewollt „coolem“ Jugendbuch. Ich habe nichts gegen witzige, sarkastische Beschreibungen ab und an, aber hier wurde es mir schnell zuviel. Ein Beispiel:

Sie legte den Griff der Pistole in die Mitte ihres eindrucksvollen Busens, um die Waffe zu stabilisieren, bevor sie abdrückte. Der Mund von Little Low explodierte, sein Gehirn verabschiedete sich durch ein Loch hinten im Schädel, und mit seinem letzten Atemzug saugte er seine Zähne ein.
(King & King, Sleeping Beauties, München: Heyne Verlag, 2018, S. 878)

Der „eindrucksvolle Busen“, das sich „verabschiedenede Gehirn“ – das soll wohl irgendwie lustig klingen. Tut es aber nicht: Durch die ständige Wiederholung solcher Beschreibungen läuft der Sarkasmus ins Leere und lässt nur einen üblen Lesegeschmack übrig. Ein zweites Beipsiel klingt so:

Sie hob die Pistole von Fritz Meshaum und feuerte Maynard – nicht ohne Bedauern – eine Kugel in den Rücken. „Uff“, war sein letztes Wort auf Mutter Erde.
(S. 880)

Sicher lassen sich solche Szenen auch als ironische Reflexe auf die Schießwütigkeit der US-Amerikaner lesen – mir fehlte aber doch der nötige Ernst, eine gewisse Achtung und Respekt für die eigenen Figuren. Stellenweise hatte ich das Gefühl, die Autoren machen sich lustig über ihr Personal.
Was zu lernen wäre: Sarkasmus und Ironie sind mächtige sprachliche Mittel, sollten aber sparsam dosiert werden.

6. Alles, wirklich alles an diesem Roman ist vorhersehbar
Alle bisher genannten Punkte trübten mein Lesevergnügen zwar sturmdunkel ein, wären aber noch verschmerzbar gewesen. Der völlig spannungslose Plot dagegen ist natürlich das absolute Killer-Argument. So etwas kenne ich vom King in dieser Art absolut nicht. Mit „Spannung“ meine ich dabei keinesfalls „Action“ – die gibts schon genug (mehr als genug, da auch diese Sequenzen keinen wirklichen Sinn ergeben). Nein, was ich meine: Von der ersten Seite an ist die Story von „Sleeping Beauties“ dermaßen vorhersehbar, dass ich entsetzt-genervt innerlich die Augen dauerverdrehte. So brauchen die beiden Kings das komplette erste Drittel ihres Romans dafür, um alle durch die 959 Seiten streifenden Frauen einschlafen zu lassen. Wir Leser wissen, dass es dazu kommen wird (die einzige Frage dabei bleibt, wer wohl zuletzt die Augen schließen wird, aber irgendwie spannend oder relevant oder interessant ist das eigentlich auch nicht, zumal wenn die Charaktere, siehe Punkt 2 …), und so fragt man sich, Seite um Seite umblätternd, wann die Story denn endlich losgeht. Nervig. Öde. Und so bleibt das letztlich die gesamten 1000 Seiten über – bis zur finalen Schlacht ums Gefängnis, wobei auch diese so vorhersehbar wie überraschungslos bleibt. Einzig die Zwischensequenzen – wohin „gehen“ die schlafenden Frauen? – erlebte ich als halbswegs originell, zumindest anfangs, da auch hier alles den so zwingend vorhersagbaren Schritten folgt.
Dieser sechste Punkt war denn auch der letzte Nagel, der meinen Lesespaß im Sarg einschloss und in Langeweile begrub. Ich verstehe wahrlich nicht, wie einem King solch ein massiver Fehler unterlaufen konnte. Und ich wage fast nicht, es so banal wie es eben ist, zu formulieren:
Was wir lernen könnten, aber schon wissen: Ein Spannungsroman ohne jede Überraschung ist nicht spannend. Wenn den Lesern schon klar ist, was wie geschehen wird – warum sollten sie weiterlesen?

Na ja, bereits im Mai 2018 erscheint Kings nächster Roman: „The Outsider“. Wie immer freue ich mich drauf. Und da der Autor diesmal wieder allein schreibend unterwegs war und die Seitenzahl mit „nur“ 576 angegeben wird, bin ich doch ganz zuversichtlich …

Und wie ist es Euch mit „Sleeping Beauties“ ergangen? Habt Ihr’s schon durch? Gefiel es Euch?

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21 Gedanken zu “Warum mir das Kingsche „Sleeping Beauties“ nicht gefiel – und was wir Schreibenden daraus lernen können

  1. Danke für die präzise Analyse, die sich mit meiner Meinung ziemlich deckt! Ich bin etwa bei der Hälfte und habe bereits überlegt, ob ich Sleeping Beauties überhaupt fertig lesen soll. Es kommt einfach keine echte Spannung auf 👎 und werde es – auch wegen deiner Besprechung – weglegen. Freuen wir uns auf den nächsten King im Mai 😉📖

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    1. Ich habe zu danken für den zustimmenden Kommentar! Und so schrecklich für mich, das zu einem Buch von Stephen King zu sagen: Das Weiterlesen lohnt wirklich nicht. Umso mehr haben mich übrigens die vielen positiven Rezensionen überrascht – und deshalb bin ich froh, dass ein kluger Kopf wie Deiner mir recht gibt! Ganz liebe Grüße!

      Gefällt 3 Personen

  2. Sao Simon,
    sie sprechen wahr und haben das Gesicht ihres Vaters nicht vergessen. Dieses Buch interessierte mich schon von vornherein nicht, aber deine Analyse lässt meine Entscheidung nicht als die Schlechteste dastehen.

    Lange Tage, angenehme Nächte

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    1. Auch Dir, Sai Marc von Gilead, Freund von Mittwelt, herzlich kat-tetliche Grüße. Du hast Wohl daran getan, diesen King auszulassen. Mögen auch Deine Tage lang, Deine Nächte und Träume angenehm sein!

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  3. Lieber Simon, ich bin ja kein King-Fan und auf dem Gebiet völlig ahnungslos, aber deine Rezension fand ich dennoch interessant zu lesen. Was für eine Heldentat, über 900 Seiten Langweiliges zu lesen! Und wie verdienstvoll, potentiellen Lesern viele Stunden zu ersparen, die sie für hoffentlich Lohnenderes verwenden können.

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    1. Nun ja, eine „Heldentat“ war’s so sehr nicht – ich habe ja einiges gelernt 🙂 Und selbst ein sehr schlechter King ist noch besser als vieles andere. Dennoch war der Roman eine große Enttäuschung. Und wenn ich dann andere Leser vor vergeudeter Lesezeit warnen kann …
      Ganz herzliche Grüße an Dich!

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  4. ich bin so ein Angsthase, ich kann einfach nix von ihm lesen 😉 Natürlich habe ich einige seiner Filme gesehen – und die halbe Nacht nicht schlafen können. Er kann es halt…
    Aber das Buch über sein Leben und sein Schreiben fand ich großartig.

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    1. Oh ja, das ist auch eins meiner Lieblingsbücher um Thema Schreiben. Und was seine Themen angeht: Ich wünschte mir auch mal einen „normalen“ Roman von ihm ohne Angst und Schrecken. So in die Richtung seines „Heart of Atlantis“, das auch mehr Zeitreise und Entwicklungsroman ist.
      Dir wünsche ich eine wunderbare, hoffentlich nicht allzu frierende Woche 🙂

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  5. Nun ja, ich kann deine Punkte verstehen und manches sogar nachvollziehen. Aber: Ob das Buch schlechter ist als Vorgänger, ist Geschmackssache (finde ich z. B. nicht). Ob Figuren als sympathisch empfunden werden, ebenso. Für beides kann man zwar auch einige objektive Punkte anbringen, aber da das Buch nicht allgemein als „schlecht“ bekannt ist, bleibt: Geschmackssache.
    Um das klar zu stellen: Ich will jetzt nicht jammern und bin schon gar nicht beleidigt, weil ich das Buch scheinbar lieber mochte. Aber ich finde gerade Punkt 2 und 3 kritisch als Tipp, wenn die angeführten Beispiele nicht eindeutig zu beweisen sind.

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    1. Liebe Cary, herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Ich habe mit Bedacht den Artikel „Warum mir’s nicht gefiel“ genannt – und nicht: „Warum es schlecht ist“. Jeder King ist meiner Meinung nach besser als viele andere Bücher. Andererseits finde ich es faszinierend, wieviele Leser und Schreiber davon überzeugt sind, dass „alles nur Geschmackssache“ sei. Das finde ich nicht und führte diese Diskussion schon oft. Denn ich denke sehr wohl, dass sich objektiv beurteilen lässt, ob Kunst „gut“ oder „schlecht“ ist (bei aller anführungsstreichelnden Schwierigkeit). Geschmack ist die eine Sache – ich mag viele Dinge (auch in der Literatur), die objektiv gesehen schlecht sind und eben keine große Kunst. Aber ich liebe manche dieser schundigen Sachen (und käme nie auf die Idee, mich dafür zu entschuldigen). Die Figuren- und Charakterzeichnung in „Sleeping Beauties“ ist für mich extrem schwach und oberflächlich, vergleiche ich sie mit anderen King-Büchern. Da ist kaum Tiefe, kaum Entwicklung. Keine der Figuren ändert sich, alles bleibt statisch und langweilig. Ob mir die Charaktere trotzdem gefallen, ob ich sie dennoch „sympathisch“ finde, das ist dagegen wieder eine andere, tatsächlich Geschmacksfrage. Sie sind aber definitiv eindimensionaler als alles, was ich sonst bei King zu lesen und zu lieben gelernt habe. Und zu Punkt 3: Dir gefiel „Sleeping Beauties“ tatsächlich besser als „The Stand“?
      Ganz herzliche Grüße!

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      1. Mir gefiel Sleeping Beauties offenbar besser als dir. So meinte ich das, auf The Stand wollte ich damit gar nicht eingehen.
        Dass es objektive Bewertungskriterien gibt, habe ich ja gar nicht bezweifelt. Und auch nicht behauptet, dass alles (!) Geschmackssache sei. Nur: Auch diese objektiven Punkte betreffend gehen die Meinungen bei diesem Buch scheinbar teils auseinander und auch Menschen, die fernab vom Bloggerdasein Literaturkritiken verfassen, lassen ihre Meinung zu dieser Tiefe zumindest offen (was extrem negativ auffällt, lässt man mmn aber nicht offen). Und da bleibt eben wieder die Frage: Was stimmt jetzt? Ich finde das bei „Kunst“ aller Art nicht so einfach zu beantworten. Du schreibst ja selbst „für dich (!) ist die Figuren- und Charakterzeichnung extrem schwach“. Völlig ok, aber (auch) deshalb sehe ich es schon ein bisschen als Geschmackssache – im weiteren Sinne. Ich verstehe aber trotzdem, was du meinst, wirklich.

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      2. Wie recht Du hast: Einfach ist das wahrlich nicht 🙂 Und auch ich verstehe ja, was Du meinst. Und auch da hast Du recht: Bei „Sleeping Beauties“ ist die Meinungsschere wahrlich groß – schon sehr spannend. Mein Kriterium eines „guten“ Charakters ist eben, dass er sich entwickelt und „Tiefe“ zeigt, was in „Sleeping Beauties“ kaum passiert. Aber die Frage bleibt: Ist dieses Kriterium eigentlich stimmig?
        Herzliche Grüße!

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  6. Also zunächst einmal die Kurzversion: Mir hat „Sleeping Beauties“ auch nicht sonderlich gefallen. Gelesen habe ich es komplett, natürlich, aber es hat sich ziemlich gezogen. Ob und inwieweit Owen da (mit-)verantwortlich ist, kann ich nicht sagen, da eine deutsche Übersetzung ja ohnehin immer ein Stück weit verfälscht. Allerdings habe ich schon in Owens „Der wahre Präsident von Amerika“ alle Stories außer der titelgebenden eher schwach gefunden.

    Und nun zu deinen sechs Punkten.

    1. Dazu habe ich ja seinerzeit auch einen Blogbeitrag geschrieben. Ja, auch in anderen Romanen gibt es ein großes Ensemble. Aber in diesem hier wirkt es stellenweise wirklich nur gewollt, treten viele Figuren nur auf, um einen Satz zu sagen (zum Beispiel ganz am Anfang die Drogentypen). Das ist beinahe so, als ob bei einem Film jeder Komparse aufgelistet würde. Mich hat es erst verwirrt, dann war es mir egal. Es machte es aber auf jeden Fall schwer, echte Bindung zu einigen Charakteren aufzubauen, weil man sich nicht sicher sein konnte, ob die nun wichtig sind, oder auch nicht.

    2. Ich muss gestehen, dass ich die Familie Norcross eigentlich ganz sympathisch fand. Aber durch die Mängel in der Story konnte sie diese Sympathiepunkte nicht ausschöpfen. Der Junge fiel im Übrigen ohnehin etwas ab, weil sein Umgang mit der Katastrophe nicht wirklich realistisch schien. In Bezug auf Evie gebe ich dir aber Recht. Was mich außerdem gestört hat war, dass ihre Rolle extrem vage blieb. Ich erwarte gar nicht, dass mir alles ausformuliert wird. Ich komme auch mit nicht auserzählten Figuren klar. Aber in vielen Situationen war Evie so etwas wie ein deus ex machina. Anything goes, dank Evie!

    3. Zustimmung. Aber ob „Puls“ jetzt wirklich der bessere Roman war …

    4. Bei King ist ja das Problem, dass man sich nicht immer sicher sein kann, dass im Zweifel nicht die falschen Stellen gekürzt werden. Seit der kastrierten Fassung von „The Stand“ bin ich da immer sehr skeptisch.

    5. Das ist mir jetzt offen gestanden gar nicht so negativ aufgefallen. Mir ist auch so, als wäre dieser Sprachstil schon bei anderen King-Werken zu lesen gewesen. Auch wenn ich jetzt keine entsprechenden Stellen benennen kann.

    6. Es gab genau eine Sache, die ich so nicht vorhergesehen habe: Und zwar war das, dass der Schul-Bully (den Namen habe ich schon vergessen, so beeindruckend war die Figur) und der Norcross-Junge nicht noch ihren Final Fight miteinander hatten. Nachdem der Konflikt zwischen den beiden vorher aufwendig aufgebaut wurde, hätte ich da mit mehr gerechnet.

    Fazit: Ich hoffe ebenfalls auf den nächsten Roman. Meiner Meinung nach gehört „Sleeping Beauties“ ins schlechte Drittel von Kings Werken.

    Viele Grüße!

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    1. Hallo, mein Lieber! Das freut mich, dass Du hier kommentierst, war ich doch auf Deine Meinung zu „Sleeping Beauties“ gespannt. Und herzlichen Dank für Deinen Weiterführungen der 6 Punkte, die ich sehr spannend finde. Die kleinen Zwischenkonflikte waren ohnehin schlecht gemacht: Nicht nur, dass die Schul-Boy/Norcross-Junior-Sache einfach ins Nichts lief, auch diese Eifersuchtsstory zwischen Clint und Lila fand ich einfach meh. Was das Kürzen angeht: Welche „falschen“ Stellen hätte man hier schon rauskürzen können :-). Spannend finde ich das mit der Sprache. Denn auch mir fiel das unangenehm erst im letzten Viertel auf. Normalerweise mag ich ja diesen ironischen, flappsigen Ton von King, aber hier merkte ich auf einmal mit Erschrecken, wie gewollt cool das klingt.
      Und ja: Auch bei mir rangiert „Puls“ nur im schwachen Drittel von King …
      Ganz herzliche, weiterhin frostklirrende Grüße zurück!

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      1. Na ja, es hätte schon falsche Stellen zum Kürzen gegeben. Ich finde, dass die Szenen im Gefängnis, nachdem da alles an Struktur zusammengebrochen ist, schon wichtig sind. Gerade auch die mit den wenigen noch wachen Frauen. Ebenso wäre es falsch gewesen, an den Szenen in der Parallelwelt herumzuschneiden. Was gerne weniger hätte sein dürfen, war das ganze Brimborium zu Beginn der „Epidemie“.

        Was die Sprache angeht, müsste man wirklich das Original lesen, um abschließend zu urteilen. Aber ich denke, so langsam merkt man Mister King wohl auch das Alter an und wie er sich aufgrund dessen sprachlich ein Stück weit von den Menschen entfernt, über die er schreibt. Zumal er ja nicht eben als derjenige bekannt ist, der einfach mal vor die Tür geht und sich unters Volk mischt, um ihm aufs Maul zu schauen.

        Hoffen wir einfach auf das Kommende.

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  7. Simon! Wo warst Du denn nur, ich habe immer nachgesehen und nichts von Dir gehört … Schön, dass Du wieder da bist! Traurig, dass unser großer gemeinsamer Freund für solch Enttäuschung bei Dir sorgt. Ich lese im Moment „Mind Control“ und grusle mich ziemlich. Nun lese ich nochmal genau Deinen Post hier, wollte nur ganz ganz schnell Hallo sagen 🙂
    Liebe Grüße, Julia

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