Apelles über die Kontinuität beim Schreiben

Plinius der Ältere, römischer Universalgelehrter und um die 50 nach Christus lebend, schreibt in seiner Naturalis historia auch ein paar Takte zur Malerei (notabene: damit wären in diesem Nebensatz „schreiben, malen und musizieren“ vereint :-)). Er berichtet vom Griechen Apelles, dem vielleicht berühmtesten Maler des Altertums, Zeitgenosse Alexanders des Großen und geboren etwa 370 vor Christus. Von Apelles stammt (laut Plinius) das bekannte Zitat:

„Nulla dies sine linea“, also soviel wie: „Kein Tag sei ohne Linie (ohne Pinselstrich).“

Als Motto auch für jede(n) SchriftstellerIn unbedingt zu empfehlen, nur leicht abgewandelt in so etwas wie: „Kein Tag sei ohne Zeile.“ Denn Regelmäßigkeit macht zwar nicht automatisch zu einem besseren Schreiberling, führt aber auf jedem Fall zu einem engen Kontakt zum Text.
Von Apelles stammt übrigens noch ein geflügeltes Wort: „Schuster, bleib’ bei deinen Leisten!“ Auch das wissen wir über Plinius: Apelles habe sich gerne in der Nähe seiner Bilder versteckt, um die Kommentare der Betrachter zu belauschen. Einmal habe ein Schuster bemängelt, die von Apelles gemalten Schuhe hätten eine Öse zu wenig. Prompt korrigierte der Maler. Doch nun kritisierte der Schuster auch noch die Schenkel der gemalten Figur. Darauf habe Apelles ihm das berühmte Zitat zur Antwort gegeben.
Leider (wie verständlicherweise) ist kein Gemälde des Apelles erhalten – man kennt nur seine trefflichen Sprüche und die Tatsache, dass er als erster Maler überhaupt ein Selbstportät von sich anfertigte.
Als Illustration deshalb eine Neufassung der „Verleumdung“, einem der berühmtesten Gemälde Apelles. Dem Maler wurde von einem General Alexanders eine Königs-Verschwörung zur Last gelegt. Nachdem seine Unschuld geklärt war, schuf Apelles aus Rache sein Bild von dem eselsohrigen König Midas, mit sich selbst als halbnacktem, gefesselten Opfer.

Und malte jeden Tage eine Linie.

Boticelli: Die Verleumdung des Apelles, Uffizien, Quelle: Wikipedia Commons

Bildquelle

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6 Gedanken zu “Apelles über die Kontinuität beim Schreiben

  1. Auch der Autor kann sich in seinen Texten rächen, wenn er denn mag. in seiner Autobiografie J’accuse! hat der niederländische Autor Willem Brakman sich allerlei Personen vorgeknöpft, die ihm während seines langen Lebens quergekommen sind. Das tägliche Schreiben ist wohl eine ganz hervorragende Übung, allerdings kann es vielleicht auch dazu führen, dass man routiniert klingt, einfach, weil man es kann und nicht mehr groß darüber nachdenkt.

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    1. Interessanter Gedanke, der sicher auf etwa einen Thomas Mann – notorischer Nach-der-Uhr-Schreiber – zutrifft. Wenn einer routiniert war, dann sicher er. Bei uns Normalsterbschreibenden wird das wohl eher nicht passieren: Denn tägliches Schreiben heißt dann nicht, dass jede Zeile auch gut ist 🙂 Liebe Grüße und meinen herzlichen Dank!

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  2. Kontinuität ist schon wichtig. Tägliche Praxis ist in vielen Bereichen (fast) unverzichtbar. Auch für Musiker, Sportler, etc. Es sollte aber schon Qualitätskontinuität sein. Also keine Alibiübungen, sondern lieber vielleicht nur wenig schreiben, aber etwas, das eine echte Herausforderung darstellt.

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  3. Jahaaa. Ich schreibe ja schon 😉
    Hm, ich weiß nicht. Ich mag mich auch nicht zwingen müssen. Doch ich handhabe das so: (Seit gestern wieder, da das Selbstverbot mich monatelang hemmte) Ich schreibe parallel, da ist wenigstens ein Pinselstrich/Zeile pro Tag drin. Allerdings ist das nur meine Weise, ich würde mich hüten, auf andere zu schließen. Nichts von alledem sollte ein Zwang sein.
    Liebe Grüße, Julia

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    1. Da hast Du recht – Zwang funktioniert nicht. Für mich ist das eher eine freundliche Einladung, eine Möglichkeit ständig in Kontakt zu bleiben mit meinen Figuren und meiner Geschichte. Und wie gesagt: Manchmal sind die Pinselstriche/Sätze auch nicht gelungen. Dann landen sie eben im Papierkorb. Aber der Kontakt bleibt 🙂
      Liebe Grüße zurück!

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