Louis Armstrong über Kunst

Ob Autoren, Maler oder Musiker – der kreative Prozess (oder wie man das auch immer nennen mag) funktioniert bei allen Künsten ähnlich. Deshalb werde ich ab und an in der Rubrik „Zitate übers Schreiben“ auch Kollegen aus anderen Sparten zu Worte kommen lassen.

Beginnen möchte ich mit dem großen „Satchmo“ und dessen kleinen Satz:

Wir spielen das Leben.“ Oder, je nach Übersetzung: „Was wir spielen, ist Leben!“

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1953. Quelle: Library of Congress, New York, via Wikipedia

 

Was wir schreiben, ist das Leben – mehr nicht. Oder vielleicht doch: Was wir schreiben, ist unser Leben.
Der Doppelsinn von Armstrongs „spielen“ passt zudem auf das Autorenhandwerk besonders gut: Wer schreibt, ist ein Schau-Spieler im Kopf, spielt alle Rollen seines Textes selber, lebt den Held genauso wie den Bösewicht.

Bleibt noch der musikalische Abschluss: eine Aufnahme des Mackie-Messer-Songs, geschrieben von Bertold Brecht, komponiert von Kurt Weil.
Und gesungen, gespielt, gelebt – von Louis Armstrong.
Yeah!

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9 Gedanken zu “Louis Armstrong über Kunst

  1. Hmmmmm, Satchmo ist und bleibt einer der ganz Großen, dem so schnell keiner das Wasser reichen kann/konnte (er ist ja leider schon 45 Jahre tot). Faszinierend finde ich die Mitte seiner Oberlippe, die vom häufigen und aufreibend langen Spielen völlig plattgedrückt war. Es gibt Berichte, dass er nach mehrstündigen Proben und zwei Radiosendungen mit bereits blutiger Lippe auf die Bühne ging und dann noch solange gespielt hat, bis gar nichts mehr ging (und seine Mitmusiker in Tränen aufgelöst die Bühne verlassen mussten, weil sie ihm nicht mehr zusehen konnten). Das ist/war wahrer Entertainer-Spirit!

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      1. Doch, der war so drauf. Vorhin habe ich nur aus der Erinnerung zitiert, nun habe ich noch nachgeschlagen in der Biographie:

        Die besondere Sorgfalt Armstrongs galt der Pflege seiner Lippen. Er wurde der Trompeter mit den „eisernen Lippen“ genannt. Eines der Hausmittel seiner Mutter war Nitrat. Er verdünnte es mit Wasser und benetzte damit seine Lippen. Eine Salbe aus Deutschland, von Karl Schuritz aus Mannheim, zusammengestellt von einem Posaunisten, benutzte er zeitlebens. Diese Salbe ist heute noch bei musikern in New Orleans bekannt. – Schon bei seinen frühen Jobs in den Honky Tonks von New Orleans waren seine Lippen manchmal so wund, dass er aus Verzweiflung zu singen anfing. In Baltimore 1932, nach fünf Vorstellungen, zwei Radiosendungen und mehrstündigen Proben, waren Louis‘ Lippen vollkommen wund und geschwollen. Schließlich sahen sie wie riesengroße blutrote Erdbeeren aus. Trotzdem spielte Louis sich abends im Konzert das Herz aus dem Leibe. Jede Berührung mit der Trompete musste wie eine Berührung mit glühendem Eisen sein. Alle Musiker zitterten und weinten vor Angst. Der Posaunist Charlie „Big“ Green brach mitten in seinem Chorus in Tränen aus und lief von der Bühne. Chick Webb trommelte für Louis und gab ihm alle nur mögliche Unterstützung. „Dann geschah es, Louis begann den qualvollen Aufstieg zum hohen f! Die Töne waren vor Marter erstickt, jeder tropfte von Blut… Was aus seiner Trompete hervordrang, war weniger Musik als der wilde Schrei der Verlorenen und Verdammten… Das ganze Haus zitterte und bebte dann vor Beifall… Er leckte das Blut ab, und es gelang ihm zu lächeln.“

        Ilse Storb: „Louis Armstrong“, rororo Monographien 1999 (S. 16)

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      2. Meine Güte – Danke für das eindringliche Zitat. Sehr faszinierend. Und: Mal wieder die Mannheimer 🙂
        Ist die rororo zu Armstrong gut? Bei den Biographien gibts da, finde ich, wahnsinnig große Qualitätsunterschiede. Jedenfalls herzlichen Dank!

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