Der einzige ernstzunehmende deutsche Film über Schriftsteller: „Rossini“

Wobei „ernst“ ja schon wieder nicht ganz passt auf Helmut Dietls Film aus dem Jahr 1992. Während im englischen oder französischen Sprachraum Schriftsteller gern zum Thema von Kinofilmen gemacht werden, tun wir uns damit offenbar schwer. So ist für mich die Komödie „Rossini“ – mit dem herrlichen, einem Gedicht Wolf Wondratschecks entlehnten Untertitel „oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ – eine große Ausnahme.
„Rossini“ war zurecht ein großer Kinohit in den 90er Jahren, was nicht zuletzt daran liegt, dass das Drehbuch teilweise von einem großen Autor stammt, der sich dann auch noch im Film selbst schonungslos karrikiert: Patrick Süskind. Sein Alter Ego in „Rossini“, trefflich verkörpert von Joachim Król, heißt Jakob Windisch und prägt unter anderem den unsterblichen Satz: „Ich will nichts erleben – ich bin Schriftsteller.“ Dieses Bonmot fällt dann auch schon im Trailer für den Film:

Nicht nur der Autor, die gesamte Kultur-Schickeria bekommt ihr Fett weg: Ob Theaterleute, Filmemacher oder Journalisten, ob Stars oder Sternchen – Helmut Dietl zieht sie alle durch den Kakao. Und zieht sie aus: Denn über allem steht ja die (mörderische) Frage, wer mit wem schlief.

Ein fantastischer Film, großartige Dialoge, stimmiger Soundtrack und natürlich brillante Schauspieler. Und mit Helmut Dietl ein begnadeter Regisseur.

Zu seinem 70. Geburtstag erschien folgendes kurzes Interview, in dem er seine Drehbücher als Partituren beschreibt und erzählt, dass er seinen Schauspielern mehr zuhöre als zusehe. Ein halbes Jahr später starb Helmut Dietl.

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