Zenodot: der Entwurf einer Unendlichen Bibliothek

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Heute möchte ich ein Schreibwerkzeug vorstellen, das mir schon oft Denkanstöße und kreativen Input geschenkt hat: Zenodot, wohl benannt nach dem 333 v. Chr. geborenen Herrscher über die Bibliothek von Alexandria. Diese Datenbank entstand aus der „Digitalen Bibliothek“ heraus, die Ende der 90er Jahre sehr ambitioniert diverse literarische Gesamtausgaben, Lexika oder Bilder auf CD presste. Heute speist sich zeno.org nicht nur aus diesem Fundus, sondern bietet beispielsweise auch die Bilder vom „Yorck Project“ an. Zenodot, dieser großartige Entwurf einer Universalbibliothek, ist leider angesichts der Übermacht von Wikipedia ein wenig untergegangen, verdient aber mehr Aufmerksamkeit.

Warum empfehle ich die Seite als Schreibwerkzeug? Zum einen ist sie ein fröhlich sprudelnder Born der Recherche: Nicht nur literarische Texte – ähnlich wie in der digitalen Bibliothek Projekt Gutenberg – werden hier zugänglich gemacht, sondern auch eine Reihe von Lexika: Neben der 6. Auflage von Meyers Großem Konversationslexikon (1905-1909) z. B. auch Wanders Deutsches Sprichwörter-Lexikon von 1880, Hederichs mythologisches Lexikon aus dem Jahr 1770 oder Anstandsbücher von Knigge, Junker oder Schramm. Unzählige Male habe ich diese Bücher zwecks Recherche konsultiert.

Auch die Sammlung von 40.000 hochauflösenden Bildern ist beeindruckend. Allein von Paul Cezanne sind (neben einer Vielzahl von Zeichnungen) 222 Gemälde dem Betrachter zugänglich gemacht, etwa dieses Porträt von Gustave Geffroy (einem Kunstkritiker und Freund Cezannes):

cezanne_portrat-gustave-geffroy_zeno

Am stärksten regte und regt mich aber die Sammlung von Fotografien und 10.000 Ansichtskarten an. Zum einen nutze ich sie wiederum zu Recherchezwecken (wenn ich über eine bestimmte Zeit schreibe), etwa diese herrliche Karte aus Berlin, abgeschickt im Jahr 1900:

brandenburgertor_1900_postkarte_zeno

Zum anderen klicke ich mich immer wieder einmal durch die 5.000 Meisterwerke der Fotografie, wenn ich eine Anregung brauche, einen kleinen Stups in die kreative Richtung, ein paar Brösel Phantasie für den Alltag. Was ließe sich etwa nicht alles über diesen Herrn hier schreiben, der einzig als „unbekannter Mann mit Buch“ tituliert ist?

locherer_alois_1850_unbekannter-mann-mit-buch_zeno

Diese Fotografie von Alois Löcherer entstand um 1850, das weiß man. Welches Buch der hier Abgelichtete aber liest, das weiß man nicht …

Das waren meine persönlichen Highlights bei Zenodot. Entdecken lässt sich dort freilich einiges mehr, etwa die vollständigen Verhandlungsprotokolle der Nürnberger Prozesse, Biografien bekannter Komponisten, das komplette Brehmsche Tierleben etc. pp.

Für mich ist „Zeno.org“ eine Fundgrube, ein Schreibwerkzeug – und der großartige Entwurf einer Unendlichen Bibliothek.


Bildquellen:
Paul Cezanne: Porträt Gustave Geffroy: Direktlink Zenodot
Gruss aus Berlin: Direktlink Zenodot
Alois Löcherer, Unbekannter Mann mit Buch: Direktlink-Zenodot

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6 Gedanken zu “Zenodot: der Entwurf einer Unendlichen Bibliothek

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