Faulkner über die magische Verbindung von Lesen und Schreiben

Passend zum letzten Blogeintrag „Zum Teufel mit all den Schreibregeln“, in dem es auch um Selbstvertrauen ging, um die Notwendigkeit, auf das eigene Bauchgefühl zu hören, hier und heute ein Zitat von William Faulkner, das mich lange begleitet hat. Dieser wunderbare Ausspruch des amerikanischen Literatur-Nobelpreisträgers lautet:

„Alles lesen – Schund, Klassiker, Gutes und Schlechtes und darauf achten, wie es gemacht ist. Wie ein Schreiner, der als Lehrling arbeitet und sich nach Kräften schult. Lies! Es wird haften bleiben. Dann schreib. Wenn es gut ist, wirst du es merken. Wenn nicht, wirf es aus dem Fenster …“

Niemand sonst formulierte und definierte so knapp wie drastisch eines der besten Lehrmittel zum Schreiben überhaupt – das Lesen. Da bin ich völlig Faulkners Meinung: Lest! Es wird haften bleiben. Dann schreibt.

Faulkners Schritt vom Lesen zum Schreiben ist ein ganz kleiner: Nur das winzige Wörtchen „dann“. Kein großer Übergang, kein Innehalten. Einfach ein „lesen“ und „dann schreiben“. Zwei weitere Punkte machen mir dieses Zitat so besonders sympathisch: Erstens die wilde Lesemischung, die Faulkner empfiehlt (und die mir sehr entgegenkommt: Ich liebe Klassiker. Und ich liebe auch den sogenannten „Schund“). Zweitens seine Aussage: „Wenn es gut ist, wirst du es merken“. Die kommt mit soviel Wucht, Urvertrauen und Sebstverständlichkei daher, dass unsereins heute erstmal schlucken muss. Und danach nicken. Ja, so ist es. Wenn unser Text gut ist, werden wir es merken. Wir werden unsere Zweifel haben oder wir werden damit angeben. Aber in unserem tiefsten Innern wissen wir: Das ist gut. Oder eben nicht.

Und in diesem letzteren Fall bleibt uns eben das geöffnete Fenster. Oder heutzutage: Das Papierkorb-Icon in einer Bildschirmecke.

In diesem Sinne: Lest, schreibt und vertraut dann dem eigenen Urteil.

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Foto von Carl van Vechten, 1954, Sammlung der Library of Congress, via Wikipedia
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