„unter sterbenden bäumen“ – eine grüne Literaturgeschichte von 1945 bis 2000

Krüger_Grüne LiteraturgeschichteAls gewisse Ironie des Schicksals verstehe ich die Tatsache, dass mein bisher einziger Longseller erstens ein Sachbuch ist und mir zweitens nie Geld eingebracht hat. Ich musste damals zwar auch nichts für den Druck bezahlen, bekam aber auch nie einen Pfennig oder später Cent. Dabei ist dieses Lesebuch der ökologischen Literatur mittlerweile zu einem kleinen Standardwerk geworden.

Als sich mein Germanistik-Studium dem Ende zuneigte, wollte ich zwar eine Magisterarbeit schreiben, mich aber nicht unbedingt durch die üblichen Tonnen an Sekundärliteratur wühlen. Auf der Suche nach einem (damals) noch kaum abgegrasten Thema, gekoppelt mit meiner Affinität zur Natur, entdeckte ich diese ökologische Nische in der Literaturwissenschaft. Im Anschluss an die Magisterprüfung suchte ich nach einer Veröffentlichungsmöglichkeit und fand sie im (ein drittesmal:) damals noch jungen Tectum-Verlag, der auf wissenschaftliche Titel spezialisiert ist. Der Deal war: kein Druckkostenzuschuss für mich, aber eben auch keine Tantiemen. Bevor ich das Manuskript abgab, erweiterte ich den Text um etliche Zitate von Gottfried Keller bis T. C. Boyle und strich dafür die germanistische Wissenschaftssprache samt Anmerkungs-Apparat. So wurde aus einer trockenen Magisterarbeit das, was mein Klappentext versprach: ein Lesebuch zur Grünen Literatur.

Klappentext:
Dieses Buch bietet eine Mischung aus kommentiertem Lesebuch und Grüner Literaturgeschichte, lädt ein zu einer Reise durch die ökologische Bücherwelt und fünfzig Jahre deutscher Geschichte. Die Bandbreite reicht dabei von umweltbewußter Prosa und Lyrik bis zum Essay, Sachbuch, Drama und Hörspiel; auch Autoren aus Österreich, Schweiz und DDR kommen zu Wort und Text. Ein umfassender Überblick wird hier versucht, der sich nicht in Einzelinterpretationen erschöpft oder in hochstechende Wissenschaftlichkeit flüchtet. Das Hauptziel ist, zum Lesen zu verführen – und vielleicht auch zum Nachdenken „unter sterbenden bäumen“.

Erste Sätze:

Kapitel 1: Vor-Bilder anstelle eines Vor-Wortes

„Laßt mich in Gras und Blumen liegen
und schaun dem blauen Himmel zu,
wie goldne Wolken ihn durchfliegen,
in ihm ein Falke kreist in Ruh.

Die blaue Stille stört dort oben
kein Dampfer und kein Segelschiff,
nicht Menschenschritt, nicht Pferdestoben,
nicht des Dampfwagens wilder Pfiff. (…)“

1845 schreibt der Arzt, Parapsychologe und Schriftsteller Justinus Kerner dieses Gedicht. Sein lyrisches Ich liegt zwischen „Gras und Blumen“, schaut in den blauen Sommerhimmel hinauf – und fürchtet sich. Denn der hinter diesem Ich stehende Dichter erlebte die Entwicklung der Dampfmaschinen mit, die ersten Fabriken und Eisenbahnen. Justinus Kerner sah den „Salm“ – den Lachs – aus Rhein und Neckar verschwinden, er beschreibt die Welt nach der Industriellen Revolution als „dampfestoll“, durchsetzt von schrillen Maschinenpfiffen und Rauchwolken …
 
„unter sterbenden bäumen“. Ökologische Texte in Prosa, Lyrik und Theater. Eine grüne Literaturgeschichte von 1945 bis 2000
Tectum Verlag, Marburg, 2001
broschiert für 25,90 €

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