Der Held oder: Was haben Batman, Hamlet und Harry Potter gemeinsam?

Diese durchaus ernst gemeinte Frage soll in die Welt der Protagonisten, Hauptcharaktere oder – wie man früher so schön sagte – der Helden einer Geschichte führen. Worin liegt also der gemeinsame Nenner der drei oben genannten? Nun: Die Eltern starben, genauer, sie wurden ermordet (bei Hamlet zumindest der Vater). Bruce Wayne alias Batman verwandelt sich deshalb in den alptraumgeplagten Dunklen Ritter, Mister Potter trägt zusätzlich zur Last der Erinnerung eine weiße Blitznarbe auf der Stirn und Hamlet, nun, der ist trotz aller Gemeinsamkeiten eine Klasse für sich – da psychologisiere ich lieber nicht rum.

Alle drei könnte man in die Kategorie des „gebrochenen Helden“ stopfen: Der Charakter fühlt sich gequält von üblen Erinnerungen und/oder seelischen Nöten.
Diese Ausgangslage (beliebt ist auch der plötzliche Tod der/des Geliebten) führt beim Leser natürlich zu einer raschen und tiefgreifenden Identifikation. Der arme Kerl, denken wir, und schon hat uns der Autor gepackt: Wir leiden und fiebern mit.
Aus diesem Grund wird in diversen Schreibbüchern immer wieder empfohlen, die Hauptfigur als gebrochen zu entwerfen, als verletzt und verzweifelt.

Aber stimmt das überhaupt? Was ist beispielsweise mit diesem Herren hier:

Frodo Beutlin aus Tolkiens Herr der Ringe ist der Inbegriff eines gewöhnlichen, nichtssagenden Helden. Er ist glatt (insofern passt der Schauspieler wunderbar), naiv, ein bisschen träge (aber nicht faul), mutig (aber nur wie jeder andere auch), lustig (aber nicht zu sehr) und langweilig (aber … ach, nichts aber). Als „gebrochen“ kann man ihn jedenfalls kaum bezeichnen – seine Sorgen und Qualen liegen nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft. Sie werden ihm von der Geschichte selbst aufgezwungen.

Ein anderes Beispiel dazu (das Video füge ich rein ob der nostalgisch verklärten Filmmusik ein – hach …):

Old Shatterhand ist – anders als Frodo – mitnichten ein Normalo. Er kann schießen wie sonst keiner, besitzt eine Schmetterfaust ohnegleichen, ist moralisch integrer als Martin Luther King – und sieht noch dazu super aus. Ganz klar ein Gegenentwurf also zu dem freundlichen Hobbit. Dennoch ist auch Shatterhand keine gebrochene Figur, sondern eine aus der Kategorie Superhelden. Winnetou dagegen ist vielschichtiger angelegt (der Konflikt mit den weißen Siedlern brodelt), doch selbst er bekommt erst in jenem Moment schärfere Charakter-Konturen, als seine Schwester stirbt (natürlich wieder ein Mord – siehe Batman, Hamlet und Potter).

Zwischen diesen beiden Polen, zwischen Frodo und Shatterhand, spannt sich die Gruppe der ungebrochenen Helden. Ob Bella aus Twighlight, Hans Castorp aus Thomas Manns Zauberberg, ob Indiana Jones (mal abgesehen von seiner speziellen Phobie: „Ich hasse Schlangen“), Melvilles Ishmael aus Moby Dick oder Uwe Tellkamps jugendlicher Turm-Protagonist Christian Hoffmann: Alles eigentlich langweilige, stinknormale Typen. Ohne traumatische Erinnerungen, ohne Rasierklingen an den Pulsschlagadern oder zuviel Whiskey in der Kehle.

Was ich damit sagen will?
Haltet euch nicht zu lange mit der Charakter-Genese auf. Ihr müsst – wie diese weltberühmten Beispiele zeigen – keineswegs außergewöhnliche, komplex tiefenpsychologisierte Helden auftreten lassen. Absolut unabdingbar ist letztlich nur eines: die Story. Und mit ihr zwangsläufig verknüpft: Die Entwicklung des Protagonisten während dieser Story. Denn ohne eine Entwicklung verlieren wir den Bezug zur Figur. Doch die charakterliche Ausgangslage dafür ist – so glaube ich – ziemlich egal: Man startet als AutorIn einfach an einem anderen Punkt. So ist ein anfangs schon von Schuld und Sühne geplagter Held natürlich einfacher zu händeln (weil sofort die Leser-Sympathie für ihn da ist), andererseits ist diese Charaktergenese bereits extrem ausgelutscht: Da muss man ganz schön aufpassen, nicht in die üblichen Klischee-Häufchen zu treten (Kommissar als Alkoholiker et cetera).

Und: Keine Verallgemeinerung ohne Ausnahme: So ist ein (eher seltenes) Beispiel für einen „gebrochenen Helden“, der selbst die Grundlage seiner Geschichte schreibt etwa Don Quijote von Cervantes.

Wie entwerft Ihr Eure Charaktere? Wie vermeidet Ihr Klischees? Ich wünsche jedenfalls uns allen eine Welt voller wundervoller Protagonisten, Hauptdarsteller – und Helden eben.

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15 Gedanken zu “Der Held oder: Was haben Batman, Hamlet und Harry Potter gemeinsam?

  1. Ach, das tut gut. Man wird ja geradezu überhäuft mit Tipps und Tricks, wie man einen Helden aufbaut. Das grenzt ja schon an eine tiefenpsychologische Ananmese! Unsinn ist das manchmal auch einfach, weil ich meinen Helden auch noch nicht so gut kenne. Ich will ja mit ihm erleben, all seine Entwicklungen erleben. Was soll die ganze Herumdoktorei vorher schon? Zu viel vorgezeichnetes Bild macht mich unflexibel, und das ist verheerend beim Schreiben.

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  2. Keine außergewöhnlichen, komplex tiefenpsychologisierte Helden? Ach, ich weiß nicht so recht… 😛

    Aber stimmt schon. Man ist mehr drin, wenn man versteht, warum, der Held so ist, wie er ist. Wenn man schon einen alkoholabhängigen Kommissar hat, dann soll man auch wissen, weshalb er zur Flasche greift, man sollte mit fühlen, *warum* er das tut und die Konsequenzen davon auch kennen. Dementsprechend bürdet man sich, meiner Meinung nach eine gewisse Verantwortung auf, wenn man „vom Schicksal gezeichnete“ Charaktere erschafft. Ich denke, dass es eine ausgewogene Mischung tut.

    Es ist gleichermaßen unglaubwürdig, wenn jeder Charakter irgendein Handicap, eine dunkle Vergangenheit oder sonst irgendetwas Tragisches hat, aber wenn jeder Charakter ganz gewöhnlich erscheint und im Laufe der Handlung eine enorme Wandlung durchmacht, hm… wenn man mcih fragt, hätte ich lieber nur Ersteres als Letzteres.

    Ich finde, ein tolles Beispiel hierfür ist Nick Hornby’s „A Long Way Down“ – vier kaputte Charaktere treffen sich zufälligerweise zu einer Silvesternacht auf dem Dach eines Hochhauses, um Selbstmord zu begehen und vereinbaren, das gemeinsam vorerst aufzuschieben. Vier gebrochene, kaputte Charaktere und trotzdem wirkt es nicht überladen, die „Helden“ (*hust*), wirken griffig, authentisch und das Tragische an ihnen wird zum zentralen Mittelpunkt gemacht. Und dennoch ist die Story nicht triefend melancholisch oder deprimierend.

    Wie vermeidet man Klischees? Durch zunächst widersprüchlich wirkende Schwächen. Tony Soprano, knallharter Gangsterboss der New Jersey Mafia Familie leidet an Panikattacken. Inquisitor Sand dan Glokta aus der First Law Serie von Joe Abercrombie hat keine Ahnung, was er von Gerechtigkeit halten soll und warum er tut, was er tut.
    Wenn man liest: „Chirurg, der Angst vor Blut hat“, dann fragt man sich: „Hä? Wie jetzt, wie soll das denn funktionieren? Dann hat er sich aber den falschen Job ausgesucht…“, dann ist man als Leser interessiert. Man sollte als Autor nur eine plausible Erklärung parat haben, die sich nach und nach aufdeckt 😉

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    1. Damit war ja zu rechnen, dass der Jung-Jünger da widerspricht😉 Ich zweifle nicht an, dass man Ursachen aufklären muss, niemals! Aber nicht vorher. Niemand kann jemanden so durchleuchten, so analysieren, bevor er nicht mit ihm Worte gewechselt hat, bevor er ihn erlebt hat. Das gibt es nicht. Und das Beste, um einen Menschen/Protagonisten so zu sehen, wie er tatsächlich ist, ist die Extremsituation. Will sagen, erst wenn wir mit unserem Helden durch das Abenteuer wandeln, ihn auch in der Interaktion erleben, erst dann erschließt sich uns vieles. Es ist nicht möglich, dass wir jeden Charakterzug schon vorher kennen. Und ist es nicht das, was es auch spannend macht? Vielleicht überrascht er uns ja? Zeigt auf einmal Mut, an einer Stelle, an der wir gar nicht damit gerechnet hätten?
      Wenn wir zu sehr an einem Konstrukt festhalten, wenn wir zu unflexibel sind, nimmt uns das nicht die Neugier? Eine Geschichte schreiben sollte auch immer wie eine Entdeckungsreise für uns selbst sein.

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    2. zu Sam: Du hast sicher Recht: Wenn „… jeder Charakter ganz gewöhnlich erscheint“, wird’s auch langweilig. Bei Tolkien gibt’s ja genug Figuren mit dunkler Vergangenheit, aber eben auch sowas wie Gandalf, der sich die ganze Zeit null verändert. Ich mein‘ ja auch nicht, dass alle Figuren einer Geschichte Normalos sein sollen, die sich in Heros verwandeln. Mir ging es nur um den Protagonisten einer Story und die in meinen Augen übertriebene Zerissenheit in vielen Fällen. Was wiederum ja nicht heißt, dass es auch genügend großartige Beispiele mit eben diesen gibt: Du hast selbst Hornby genannt, bei T.C. Boyle oder Irving ist das ganz ähnlich. Aber mir geht einfach diese einfache Masche auf den Sack: Jeder Polizist trinkt oder ist geschieden et cetera. Und selbst wenn man etwas „frisches“ konstruiert wie einen Chirurgen mit Angst vor Blut, muss man doch arg aufpassen, dass sowas eben nicht konstruiert wirkt … Kurz: Ich mag einfach Regeln und Konventionen nicht. Ich habe nichts gegen gebrochene Charaktere – aber sie MÜSSEN eben nicht sein!
      zu Julia: Genau, die Extremsituation. Wichtiger Punkt, der’s noch klarer macht. Danke dafür! Vielleicht sind es einfach zwei unterschiedliche Ansätze: Entweder „startet“ der Schreiber beim Charakter oder eben bei der Story. Und ich bin eher der story-getriebene …

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  3. Ja, definitiv sollte man sich nicht allgemein an Konventionen halten, damit bin ich voll einer Meinung! Aber eben auch nur, was das Thema angeht, wie ein Protagonist zu sein hat. Beispielsweise vermeide ich hier alleine schon mal das Wort „Held“, da ich dem selbstlosen Strahlemann, einer Konvention, die ich sowohl für langweilig als auch ungriffig halte, nichts abgewinnen kann. Und auch, was „langweilig“ wirkende Charaktere angeht: klar. Warum nicht? Ich kenne schließlich auch langweilige Personen im echten Leben.

    Was die „Regeln“ angeht – hm, da bin ich skeptisch. Es sind vielleicht eher Prinzipien. „Life is stranger than fiction“ ist etwas, was ich immer wieder beobachte. Ich bin nicht nur Hobbyautor, sondern auch Spielleiter in sehr Storyfixierten Pen&Paper-Rollenspielgruppen und dabei überlege ich mir ständig on the Run Charaktere, muss ich ja. Ich glaube oft, dass diese Charaktere vielleicht etwas überzeichnet wirken (man hat ja nicht die Möglichkeit, sich über alles groß den Kopf zu zerbrechen) und oft begegne ich dann, selten nur wenige Tage später, einer Person, die genau diese übertriebene Eigenschaft ebenfalls hat, sogar noch extremer. Selektive Wahrnehmung mal ganz objektiv. Oder, was ich damit sagen will: keine Angst vor „seltsamen“ Charakteren. Sind wir ehrlich, dann hat jeder von uns etwas seltsames an sich. Also ich ganz bestimmt. Und auch die Personen, die ich für „langweilig“ halte, haben irgendwo, gut versteckt, irgendeinen interessanten Tick, ein Geheimnis, das sie lieber für sich behalten oder eine Schwäche, über die sie nicht gerne reden, die sie versuchen, vor allen zu verbergen. Was Gandalf angeht, muss ich dir allerdings echt widersprechen. Meiner Meinung nach macht er eine ziemlich heftige Wandlung durch. Eigentlich hat er ja geschworen, sich aus den ganzen Angelegenheiten der Menschen herauszuhalten, nicht mehr als ein Berater zu sein. Und trotzdem ergreift er Partei. Und wie er das tut. Während der Handlung verliert er auch immer mehr an schrulligen Charakterzügen, sein Wandel zu Gandalf dem Weißen ist nicht nur von optischer Natur.

    Und während ich dir, Simon, darin zustimme, dass manche Klischees einfach abgelutscht sind, haben sie doch oft ihre Daseinsbegründung (nicht Berechtigung). Ich kenne vier Polizisten persönlich und drei davon sind tatsächlich geschieden. Der vierte ist interessanterweise bekennender Christ. Es gibt das Klischee vom Musiker, der ständig säuft und auch, wenn es nicht wahr ist, dass jeder Musiker ein Alkoholproblem hat, sieht man eben oft Musiker in Verbindung mit Alkohol, weil Musik und Alkohol in unserer Gesellschaft eben oft zusammen auftauchen. Also selbst bei Klischees, die übertrieben oder gar unwahr sind, sollte man, finde ich beachten, dass die Klischees selbst allerdings durchaus real sind. Und wenn man in unserer Welt schreibt, dann tut man, finde ich, gut daran, wenn die Charaktere sich auch über diese Klischees bewusst sind.

    Eine weitere Regel, die ich insbesondere auf Charaktereigenschaften enorm wichtig finde und wahrscheinlich auch dein Argument, Julia, dass wir den Prota eigentlich erst bei seiner Interaktion mit der Umwelt kennenlernen übetragen würde: Show, don’t tell. Also nicht: er war ein wütender Mann von aufbrausendem Temperament, jeder wusste das. Toll, denke ich mir da als Leser, ist das so? Das ist auch der Grund, weshalb ich es so wichtig finde, zu wissen, wie Charaktere die Dinge sagen. Ironie geht sonst ganz schnell flöten, wird unter Umständen sogar völlig falsch interpretiert. Ein „sagte er mit ruhiger Stimme, aber man sah, dass seine Fäuste mit weißen Knöcheln vor Erregung zitterten“ ist mir da viel lieber, als ein: „man hatte den Eindruck, dass er wütend war, aber es nicht offen zeigen wollte.“

    Und ja, die Geschichte sollte wie eine Entdeckungsreise sein, aber ich weiß nicht, ob ich das auch auf den Autoren beziehe. Im Sinne von Ideen, interessanten, neuen Plottwists und Konflikten? Ja, definitiv. Aber die Charaktere (und damit stehe ich wahrscheinlich alleine da) sollten, auch, wenn sie eine Entwicklung durchmachen, für den Autoren dabei keine Überraschung darstellen. Ich finde es falsch (vor allem als Pädagoge!), zu behaupten: „Arendyls Schwäche ist es, dass er so hart und streng mit sich selbst und anderen ist. Eine positive Wandlung sieht so aus, dass er damit aufhört.“
    Nein! Auch, wenn seine Handlung nicht angemessen scheint oder tatsächlich übertrieben ist, gab es mindestens einmal in seinem Leben schon eine Situation, in der es angebracht war, so zu handeln. In der ihm genau dieser Zug geholfen hat. Und höchstwahrscheinlich war es eine traumatische, wenn es jetzt immer noch so extrem ist. Eine „positive“ Charakterentwicklung von Arendyl sähe meiner Meinung nach zum Beispiel so aus, dass er mehr auf die individuelle Situation/Person eingeht, anstatt gleich alles, was dranhängt zu verurteilen. Dass seine Härte und Strenge, die man auch als Disziplin darstellen könnte, kontrollierter ist und sich nur auf bestimmte Dinge konzentrieren, als dass sie sich wie ein Geschwür durch sein Leben fressen. Dass Arendyl seiner weichen Seite mehr Beachtung schenkt. Das heißt aber nicht, dass er deshalb plötzlich „weich“ wird, nur weich*er*. Das heißt nicht, dass er keinen Stock mehr im Arsch hat, es sieht nur weniger danach aus und mehr nach: „er hat einfach Rückgrat“.

    Und last, but not least: ich denke, dass es die Entscheidung, ob man beim Charakter oder bei der Story startet, eigentlich nicht gibt. Meiner Meinung nach ist der Charakter die Story. Er trägt die Geschichte. Dadurch, wie er ist. Durch die Entscheidungen, die er trifft, wird die Story erst zusammengeschustert. Frodo hätte sich auch dazu entscheiden können, zuhause zu bleiben. Dann wäre Herr der Ringe kein episches Fantasyabenteuer, sondern eine verdammt düstere Fantasy-Dystopie, ein Fantasy-Drama geworden. Das bestimmt auch interessant geworden wäre!

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    1. Wie stets vielen Dank für Deine so überlegten wie fundierten und ausführlichen Kommentare – das wird ja fast schon philosophisch hier. Nein, Du stehst mitnichten allein da, was die Charakterentwicklung des Helden angeht (ich weiß als Autor schon genau, wo’s hingeht – obwohl mich meine eigenen Charaktere immer wieder doch auch überraschen!). Wenn in unserer Realität Klischees zutreffen (Musiker oder Polizisten) heißt das nicht, dass ich die auf Literatur übertragen muss (vor allem, wenn’s halt vor mir schon 1000 Leute gemacht haben).
      Was Charakter vs. Story angeht widerspreche ich Dir aber doch: Natürlich kann und soll der Held synchron mit seiner Geschichte sich entwickeln, sie werden sich ergänzen und gegenseitig bestimmen. Aber das muss eben nicht sein – deshalb mein Hinweis auf Normalos. Wenn die Story stark genug trägt, ist der Protagonist fast austauschbar (dann kommt’s nur auf Vorlieben an).
      Bei Gandalf stimme ich Dir zu, obwohl ich seine Entwicklung im Buch kaum erinnere – aber da wirst Du schon Recht haben.
      Und schließlich: Was genau hast Du gegen das schöne Wort „Held“? Es kommt wahrscheinlich vom mittelhochdeutschen „helt“ bzw. altnordischen „holdr“ – und bedeutet „Kämpfer, Erbauer“. Ist doch schön, wie ich finde. Jeder Hauptcharakter kämpft oder erschafft etwas …

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      1. Ja, ich habe (zum Leidwesen einiger Familienangehöriger, die das gar nicht abkönnen) einen Hang zum philosophieren. Sehr angenehm, dass das zur Abwechslung mal begrüßt wird!

        Das stimmt, wenn es schon total häufig da war, muss es nicht gemacht werden. Ich fände besagtes Chirurgenbeispiel daher auch viel interessanter als einen Musiker, der zu den anonymen Alkoholikern geht. Was den anderen Punkt angeht, bleiben wir wohl aber wahrscheinlich unterschiedlicher Meinung, je nach Auslegung. Ich habe nichts dagegen, wenn die Erzählperspektive sich ändert, der vermeintliche Held der Story zB zum Antagonisten wird, stirbt oder ihm einfach jemand anderes „die Show stiehlt“ (sofern das begründet ist!), aber „austauschbar“ im Sinne von: die Story wäre wohl genau so verlaufen, wäre ein anderer Hobbit der Ringträger gewesen, bereitet mir Bauchweh. Wie gesagt, da bleibe ich dann wohl auch: die Story wird, wie ich finde durch die Charaktere und deren Entscheidungen geschustert. Es sei denn, es geht um Naturkatastrophen, aber Mensch gegen Natur finde ich ehrlich gesagt auch nicht so spannend wie Mensch gegen Mensch/Gesellschaft/sich selbst.

        Gegen das Wort „Held“ im sprachlichen Sinne habe ich nichts, wobei ich zugeben muss, dass du mir da gerade auch meinen Erfahrungshorizont erweitert hast, ich kannte die wörtliche Bedeutung zuvor gar nicht. Ich habe was gegen die Idee, die wir mit dem Wort „Held“ verknüpfen. Eine Person, die letztlich „das Richtige tut“, oder versucht, etwas allgemein erstrebenswertes zu erreichen. Und ja, es gibt genug Beispiele in Literatur und Film, in der das auch mich unterhält, aber ich bleibe da gerne realistisch: wer sagt, was „das Richtige“ ist? Wer gibt vor, was erstrebenswert ist?
        Wenn ich ein Ork wäre, wäre ich auch angepisst, wenn ich in so einer Gegend wie Mordor leben müsste 😀 (ich weiß, darüber könnte man jetzt stundenlang diskutieren, Naturzerstörung, Versklavung, blablabla, aber ihr versteht’s schon, nicht?). Oder, wie George R. R. Martin es so schön ausdrückt: der Held auf der einen Seite ist der Bösewicht auf der anderen. Ist für manche Beispiele natürlich übertrieben, aber wir wissen ja, die Gewinner schreiben die Geschichtsbücher.

        Und davon abgesehen jubele ich innerlich immer auf, wenn mir gezeigt wird, dass der Protagonist mit den selben Problemen (auch im übertragenen/metaphorischen Sinne) wie ich zu kämpfen hat. Das macht ihn nicht zu einem Helden nach allgemeiner Definition (nach einem Kämpfer schon, aber dann können wir doch gleich den Term „Kämpfer“ verwenden, oder?). Ich finde es oft sympathischer, wenn der Protagonist generell aus eigennützigen Motiven handelt und nur ab und an seine Selbstlosigkeit zur Geltung bringt, wie jeder andere auch. Sherlock Holmes wäre ein langweiliger Charakter, wenn seine erste Ambition, Fälle zu lösen, die wäre, „weil es das Richtige ist und die Gerechtigkeit siegen muss“. Er sagt zwar ähnliche Dinge oft, aber es wird ziemlich eindeutig, dass er eigentlich einfach nur arrogant ist und ihm das Mordelösen Spaß macht. Und wer mag Luke denn bitte mehr als Han Solo?

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      2. Oh ja, ich begrüße die philosophischen Aspekte des Schreibens durchaus! Ich stelle mir die zentralen Punkte eines literarischen Textes gerne als Dreieck vor: Charaktere – Plot – Sprache. Im opitmalen Fall sind die aufs herrlichste zusammengeschmiedet und bilden eine perfekte Einheit. Nun ist es (leider?) so, dass nicht alle drei Ecken gleichwertig sind: Die Sprache spielt bei den meisten Lesern zum Beispiel nur eine untergeordnete Rolle: Ist die Geschichte gut, wird holpriges Schreiben gerne verziehen. Das gilt auch für ausgelutschte Charaktere: Packt mich die Story, kann ich auch mit einem 1000 mal so gesehenen Protagonisten leben. Das ist mein Credo, und mehr wollte ich damit auch nicht sagen. Insofern sind wir diesbezüglich gar nicht soooo weit auseinander 🙂

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  4. Ich schreibe selbst ja nicht…ich konsumiere nur:-)…aber ich gebe Dir Recht…wenn ich im Klappentext schon die Beschreibung eines gebrochenen Helden lese…habe ich schon keine Lust mehr…denn davon gibt es wirklich zu viel…traurige Gestallten mit furchtbaren Erlebnissen….lieber etwas starkes..deswegen fand ich das gehypte Throne of Glass so toll….die Frau hat in ihrem Leben viel schlimmes erfahren….aber ist trotzdem so sympatisch und heult nicht ständig über ihr Schicksal…total klasse…und ich gebe Dir Recht, was die Geschichte angeht…ich hatte jetzt erst zwei Bücher, die stilistisch nicht so toll waren und teilweise die Charakter etwas Oberflächlich dargestellt wurden…sie haben trotzdem eine gute Bewertung bekommen, da ich die Gesichte richtig gut fand…LG

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  5. Das Gute beim Autor-Sein ist ja, dass ich trotzdem auch hemmungsloser Konsument bin – insofern vielen Dank für Deinen Kommentar 🙂
    Ja, letztlich macht’s die Story. Die Sprache kann noch so großartig sein, die Charaktere noch so faszinierend – wenn die Story nicht zündet, hilft das alles nichts. Am besten hatürlich wird dieses Dreieck Sprache-Charakter-Story zusammengeschmiedet zu einem verdammt guten Text 🙂

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