Zwischenprojekt: Rosa Wolke und die Tochter der Sonne

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Rosa wohnte in einer großen Stadt in einem großen Haus. Und in einer kleinen Wohnung, unterm Dach im fünften Stock.
Wenn man so weit oben wohnt, hat das natürlich einen Nachteil: Man muss ganz viele Treppen hochsteigen. 113 Treppenstufen genauer gesagt, die hatte Rosa schon oft gezählt. Aber es gibt auch Vorteile dort, ganz oben: Man wohnt direkt am Himmel. Blickt über die große Stadt. Schaut der Sonne beim Schlafengehen zu. Sieht Flugzeuge, Hubschrauber und manchmal – eine Fledermaus.
Das erste Mal war Rosa schnell zu ihrer Mutter gerannt; so schnell wie ein Rülpser im Quadrat, wie ihr Vater immer sagte. Mama hatte Rosa damals viel über Fledermäusen erzählt: Dass die ganz selten waren, auf den Dachböden alter Häuser lebten und harmlos seien.

»Völlig harmlos«, präzisierte Mama Johanna.

»Keine Blutsauger?«, fragte Rosa sicherheitshalber. »Keine Vampire?«

Mama Johanna lachte, Papa erzählte irgendwas von ultrahohen Schallwellen – und Rosa hatte keine Angst mehr gehabt.
Jedenfalls nicht mehr so viel.
Bis zu dem Tag zumindest, als die Fledermaus an einem Sommerabend auf ihrem Balkon landete. Ganz oben im fünften Stock. Und zu Rosa sagte: »Der Kellermann wartet, fiep.«

Aber das war erst viel später. Als Rosa schon richtig erwachsen war, achteinhalb Jahre alt, genau gesagt. Und als alles schon viel schwieriger geworden war. Die Sache mit Rosas Papa zum Beispiel. Der hieß übrigens Max. Und weil alle Menschen mindestens zwei Namen haben – wenn sie nicht bloß Tarzan heißen oder so – hatte er auch einen Nachnamen: Wolke. Da Kinder nun fast immer den gleichen Nachnamen wie ihre Eltern tragen, bekam Rosa den auch verpasst – wie Hustensaft bei Husten.
Und »Rosa Wolke« war nun wirklich ein ziemlich komischer Name. Das merkte Rosa, als sie eingeschult wurde und die ganze Klasse sich kaputtlachte.
Max Wolke war ein Erfinder. Gerade arbeitete er, was er jeden Tag stolz wie ein Pinguin erklärte, an seiner größten Erfindung: dem ersten Spiegel, der richtigrum spiegelte.

»Seitenverkehrt«, hatte Papa Max seiner Tochter erklärt. »Du siehst dein Gesicht im normalen Spiegel immer nur falschrum.«

»He?«, hatte Rosa gefragt.

»Na, genau wie die Schrift«, sagte ihr Vater und schrieb auf ein weißes Blatt Papier: HALLO. Kurz darauf standen Rosa, Max und das Blatt Papier im Spiegelrahmen und sie konnten lesen: O˩˩AH.

»Super«, sagte Rosa.

»Seitenverkehrt«, wiederholte Papa. Aber nicht mehr lange – denn schließlich hatte Max Wolke den ersten Richtigrum-Spiegel erfunden. Die Idee war ganz einfach: Er machte einen elektronischen Spiegel wie einen digitalen Flachbildschirm, fügte ganz oben im Rahmen eine Mini-Kamera ein, so ähnlich wie die Webcams im Computer, und ließ das Bild zeitgleich auf dem Bildschirmspiegel flimmern.

»Wirklich einfach«, sagte Rosas Vater zufrieden.

»Wirklich teuer«, seufzte Johanna Wolke.

Und da hatte sie Recht. Flachbildschirme, Mikroprozessoren und Minikameras kosteten Geld, und Papa verbrauchte beim Rumexperimentieren in der Werkstatt ziemlich viele Flachbildschirme und Minikameras. Max Wolke war eines Tages zur Bank gegangen, und an diesem Tag lernte Rosa gleich mehrere neue Wörter auf einmal: Kredit, Zinsen, Schulden.
Keine schönen Wörter.
Zum Glück arbeitete Mama Johanna auch, schrieb für eine große Zeitung kleine Kolumnen.

Jedenfalls so lange, bis Rosa noch eines dieser Nicht-schön-Wörter kennen lernte: Kündigung.
Noch am selben Abend fingen ihre Eltern an, ziemlich laut zu diskutieren. Rosa verdrückte sich, weil Sommer war, nach draußen auf dem Balkon – sie hoffte auf einen schönen Sonnenuntergang oder den tollen, gelben Verkehrs-Hubschrauber vom ADAC. Aber was sie zu sehen bekam, war eine Fledermaus gewesen, die zu ihr sagte: »Der Kellermann wartet. Fiep.«

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Fledermäuse können nicht sprechen. Rosa war mit ihren achteinhalb Jahren vielleicht doch noch nicht ganz, ganz richtig erwachsen, aber sie war auf jeden Fall nicht blöd.

»Fledermäuse können nicht sprechen«, erklärte sie also dem vogelartigen Geschöpf, das sich an die Balkonbrüstung klammerte.
Die Fledermaus starrte sie an.
Rosa guckte zurück. Ein bisschen unheimlich sah das Tier schon aus. Riesige, weit gespreizte Flügel und lange, spitzen Ohren. Das blaugraue Fell dagegen sah richtig, hm, teddybär-weich aus, und auch die schwarzen Knopfaugen passten gut zu einem Stofftier. Selbst die Ohren wackelten eigentlich ganz süß hin und her. Wenn da bloß nicht diese komische Nase gewesen wäre, fand Rosa: hell und blass, feucht und zuckend. Oder diese scharfen, spitzen Eckzähne.
Rosa schaute die Fledermaus an.
Immer noch.
Jetzt auch noch.

»Du mit deinem blödsinnigen Kram!«, brüllte Mama von drinnen. »Hast du jemals irgendwas Richtiges erfunden?«

»Natürlich!«, brüllte Rosas Papa zurück. »Der Kerzenwachs-Wiederverwertungs-Apparat wäre fast ein Verkaufsschlager geworden, genau wie die Hausfenster mit eingebauten Scheibenwischern.«

»Fast«, zischte Mama. »Du sagst es!«

»Der Kellermann wartet«, fiepte die Fledermaus noch einmal, streckte die Flügel und flatterte in die Dunkelheit hinein.

In dieser Nacht träumte Rosa von ihrem Vater als Pirat. Komplett mit Augenklappe, Hinkebein und einer großen Schaufel. Mit der wühlte Kapitän Max im Sand einer Palmeninsel herum und krächzte ununterbrochen: »Gold, Gold, Gold für meinen Richtigrum-Spiegel!« Dann verwandelte sich sein Gesicht in das einer Fledermaus: lidlose, schwarze Knopfaugen und spitze Fangzähne.
Rosa war froh, als sie wach wurde.

Weil Mama nicht mehr bei der Zeitung arbeitete, konnten sie endlich alle zusammen frühstücken. Das wäre eigentlich ganz schön gewesen, aber ihre Eltern schlürften den Kaffee so brummig wie zwei winterschlafmüde Bären.

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Rosa kaute an ihrem Schokoladen-Crunchy-Müsli herum und kam sich vor wie in einer Zirkusarena: Sie hatte es mit zwei großen, gefährlichen Raubtieren zu tun.

»Fledermäuse können doch nicht sprechen, oder?«, fragte sie vorsichtig die beiden Bären.

»Natürlich nicht, Sonnenschein«, sagte der Mama-Bär. Sie sagte oft Sonnenschein, weil Rosa blonde Kringellöckchen hatte.

»Unsinn«, brummte Papa-Bär. »Fledermäuse verfügen sehr wohl über eine eigene Sprache im Ultraschall-Bereich. Wir können sie nur nicht hören! Beim Großen Mausohr, der in Deutschland häufigsten Art, ist … «

»Mann, Max!«, unterbrach ihn Mama.

»Frau, Johanna!«, gab er zurück.

»Ich muss in die Schule«, sagte die Sonnenschein-Dompteuse Rosa Wolke und überließ die beiden Brummbären sich selbst.

Auch an diesem Abend hockte Rosa auf dem Balkon. Als sie noch ganz klein gewesen war, hatten ihre Eltern das Geländer zugenagelt – da hätte sie ja zwischendurch schlüpfen und rausfallen können. Rosa war immer noch nicht groß genug, um über die Brüstung zu schauen, aber wenn sie auf die kleine Holzbank mit den Blumenkübeln kletterte, war die Aussicht toll. Auf den Sonnenuntergang oder den Mondaufgang. Auf die Autos ganz unten. Auf die Flugzeuge ganz oben. Und auf eine kleine, blaugrau-fellige Fledermaus. Die kam so schnell herangeflattert, dass Rosa nur einen Schatten vorbeihuschen sah, einmal, zweimal um den Balkon kreisend – der Düsenjäger unter den Flugtieren.
Plötzlich kauerte sie dann auch schon auf dem Geländer.

»Toller Trick«, sagte Rosa zu ihr.

»Fiep«, sagte die Fledermaus.

»Du kannst nicht«, erklärte Rosa geduldig, »auf einem Balkongeländer sitzen wie ein Vogel. Fledermäuse hängen von Decken. Und ganz bestimmt kannst du nicht reden.«

»Der Kellermann wartet«, fiepte die Fledermaus. Ganz hoch war dieses Fiepen, ganz fein, so als würde eine Grille sprechen.

»Das ist unmöglich, verstehst du?«, sagte Rosa.

»Der Kellermann wartet«, wiederholte stur die fliegende Maus.

»Wo?«

»Dumme Frage.« Mit dieser Antwort streckte die Flugmaus ihre langen Flügel auseinander und stürzte sich vom Balkon wie eine Schwimmerin vom Sprungturm.

Eine dumme Frage, dachte Rosa, das stimmte.
Denn wo würde ein Kellermann wohl warten?

Rosa selbst wartete bis zum nächsten Tag – im Dunkeln wollte sie dann doch nicht hinabsteigen. Ein Keller war nachts schließlich noch unheimlicher als sonst.

Sie wartete bis nach der Schule, sie wartete bis nach dem Mittagessen, sie half sogar ihrer Mama beim Abspülen und wartete dann noch ein bisschen. Schon rückte der Abend etwas näher, und Rosa überlegte, dass morgen ja auch noch ein Tag war. Aber dann hörte sie wieder dieses gespenstisch hohe Fiepsen in ihrem Ohr und das Drängen in den Worten der Fledermaus.

»Ich hol’ was zu trinken aus dem Keller«, rief sie deshalb ihren Eltern zu. Und wartete auf eine Antwort, die nicht kam. Normalerweise hätten sich Johanna und Max bestimmt gewundert, dass Rosa freiwillig Saft aus dem Keller holte. Aber sie waren zu sehr mit ihren eigenen Dingen beschäftigt.
So blieb Rosa nichts anderes übrig, als wirklich die Kellerschlüssel vom Wandhaken zu nehmen. Sich den Flaschenkorb an den Arm zu hängen und zögernd die 113 Treppenstufen hinunterzusteigen. An der Haustür blickte sie sehnsüchtig auf die Klinke – draußen warteten ihre Freunde und der Spielplatz. Aber tapfer drehte sie sich um und schaute hinunter: Da gab es noch neun Treppenstufen mehr. Die zum Kellereingang hinunter. Zögernd machte sich Rosa an den Abstieg.

Krüger_RosaWolke041 Stufe

2

3

Rosa blieb stehen und lauschte. Nichts.

4 Stufen

5

6

Vielleicht sollte sie doch bis Morgen warten? Wenn sie die Fledermaus nun einfach geträumt hatte?

7

Ganz bestimmt hatte sie die nur geträumt.

8

Fledermäuse können nicht sprechen.

9

Rosa stand vor der schweren Kellertür und stach mit dem Schlüssel in das Schlüsselloch – wie eine Fechterin in das schwarze Herz des Bösewichts.
Klick.
Zweimal musste sie ihr Schwert drehen. Dann starb der Gangster.

Und die Tür schwang nach innen auf. Ganz ohne Quietschen, denn Papa Max ölte sie immer.

Aber dafür schön gruselig langsam …

So, wer bis hierhin gelesen hat, dem gefiel der Text hoffentlich 🙂 . Und wer wissen möchte, was es denn nun mit dem Kellermann auf sich hat – den muss ich leider auf amazon verweisen.

Dieser Blog ist ja nicht nur als Schreibtisch für mein Buch-wie-Kings-Turm gedacht, sondern auch als Experimentierwiese, auf der ich ein paar der neuen Medienmöglichkeiten ausprobieren und durchspielen kann. Also überarbeitete ich eine ältere Fantasygeschichte, die ein Künstlerfreund illustriert hatte: Auf zwei Leporellos (ausfaltbaren Zeichenbücher) aquarellierte er synchron, während ich ihm die Story von vorne bis hinten vorlas – immerhin 80 Normseiten. Das Ergebnis gefiel uns beiden sehr, verschwand aber in der Schublade „zukünftige Projekte“.

Diese Schublade habe ich in den letzten Wochen aufgezogen und darin herumgekramt. Über KDP und CreateSpace entstand so meine Rosa Wolke als Buch. Leider ist die Print-on-Demand-Variante bei 110 Seiten in Farbe recht teuer geworden – aber bei diesen großartigen  Aquarellen konnte ich einfach nicht anders, als ein großes Format zu wählen. Doch selbst auf der E-Book-Version leuchten die Bilder; sie gefallen mir sogar auf meinem alten Schwarzweiß-Kindle.

Beim Einstellen des E-Books wurde ich dann von Amazon noch (mehr oder weniger) dezent an den Kindle-Storyteller-Wettbewerb erinnert, sodass ich den natürlich mitnahm. Mit Freuden. Mit einem neuen massiven Problem: Ich brauche jetzt Rezis. Generell bin ich von diesen publikumsorientierten Wettbewerben überhaupt nicht begeistert, schließlich siegen dort nicht so sehr die literarischen Qualitäten, sondern die sozialen Kontakte. Aber egal. Olympisches Gefühl und so. Außerdem bin ich gespannt, was sich machen lässt.

Also, wer sich jetzt angesprochen fühlt, greife zu „Rosa Wolke und die Tochter der Sonne“  als durchgehend farbiges Taschenbuch oder in der E-Book-Variante – und rezensiere wohlmöglich.

Ich sage jedenfalls meinen Dank!

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12 Gedanken zu “Zwischenprojekt: Rosa Wolke und die Tochter der Sonne

  1. Na,nicht schlecht! Die Geschichte als auch diese schöne Werbung. Auch ich nehme am KST teil, also rutsch mal 🙂
    Und … gekauft.
    Ich drücke Dir die Daumen! Ich weiß genug über Deine Schreibe, um sagen zu können, dass Du es verdient hast. Und der Anfang der Geschichte hier ist einfach … Nein, ich habe nichts zu meckern. Nur mal ein Adjektiv zu viel, aber das kennst Du ja von mir.
    Liebe Grüße, Julia
    P.S.: Wenn man mal sieht, was sich so auf den vorderen Plätzen bisher tummelt, kann einem echt himmelangst werden …

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  2. 1000 Dank! Ja, das Gewinnen ist extrem unwahrscheinlich, Wie kann man den überhaupt sehen, wer sich wo tummelt? Ich finde das bei Amaz recht unübersichtlich – oder finde ich einfach nur nicht? Und warum schreibst Du bei Dir nicht, dass Du mitmachst? Die „Flüstern der Pappeln“, nehm ich an? Oder mit einem anderen Text? Hast Du schon letztes Jahr teilgenommen? Fragen über Fragen. Und ein tausendeinstes Danke 🙂

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    1. Richtig, Das Flüstern der Pappeln. Ich habe es nur in den Tags drin. Irgendwie hab ich das mit der Werbung nicht drauf. In sowas bin ich nicht gut.
      Nein, ich war immer dagegen, allein schon wegen der Richtlinien. Aber ich hatte dieses Buch fertig und hoffte auf ein wenig mehr Werbung seitens Amazon.
      Da ich vom ersten Tag an mitmache und regelmäßig verfolge, hab ich ein wenig Überblick. Ich sehe auch immer mal in die Leseproben rein. Es ist echt frustrierend. Nicht immer, aber oft.
      Dem Gewinner vom letzten jahr habe ich es jedoch gegönnt, das war völlig berechtigt.
      Noch was anderes: Man bekommt keine Benachrichtigung, wenn Du nicht direkt auf einen Kommentar antwortest. Das ist umständlich, ich freue mich doch über jede einzelne Antwort 😉

      Gefällt 1 Person

  3. Jaaaa, sich selbst bewerben ist sich selbst verkaufen – und das ist schon greußlich. Aber da müssen wir wohl durch 🙂
    Keine Benachrichtigung? Normalerweise muss doch auf eben das Kästchen geklickt werden: „Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren per E-Mail senden“? Oder kapier ich da jetzt was nicht?
    Liebe Grüße!

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    1. Unter jedem Kommentar steht: Antworten. In dem sich folgendem Kästchen darf man dann tippen 😉 Nur so bekomme ich eine Direktbenachrichtigung. Anders, als wenn Du einen neuen Kommentar öffnest.
      Ebenfalls Grüße!

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  4. Meine Tochter (11) hat das Buch gelesen, und ihre Meinung fand ich nicht nur als Mutter interessant, sondern auch, oder noch mehr, als Autorin. Und ja, diese Einsichten werden mich beim Schreiben beeinflussen. (Falls ich mal was für die Jüngeren schreiben werde;) )
    Es gelang ihr sofort, sich in Rosa hineinzuversetzen, auch die fantastischen Elemente waren kein Hindernis. Ebenfalls gab es für meine Tochter keine Frage, Kellermann zu folgen.
    Ich finde es erstaunlich, dass Kinder eine Geschichte, so fantastisch sie sein mag, überhaupt nicht infrage stellen. Natürlich muss sie enstsprechend erzählt werden 😉 (Achtung, Kompliment an den Autor)
    Stattdessen stolperte sie über Rosas Sprache/Ausdruck. Jemand, der mutig in den Keller geht und sich auf eine noch mutigere Reise macht, sagt nicht solche Dinge wie: „… in das nächste Kaufhaus gehen und ein paar Gramm Sonne kaufen …“ Das passte für die kleine Leserin absolut nicht zusammen und störte sie in ihrer Identifikation zur Protagonistin. Solche Punkte gab es einige. An der Geschichte an sich hatte sie nichts auszusetzen, aber an der für sie offensichtlichen Disharmonie zwischen heldenhaftem Handeln und „Kleinkindsprache“.
    Ist das nicht hochinteressant? Dass sich die Kinder sich nicht an Dingen wie !Achtung Spoiler! in-die-Erde-springen aufhalten, sondern dass es für sie das Wichtigste ist, sich selbst in dem Protagonisten wiederzuerkennen? Oder es zumindest nachvollziehen zu können? Für meine Tochter war dieser Aspekt jedenfalls ein Stolperstein. Ich denke, hier wird es für die Größeren interessanter oder besser fürs Leseverständnis, da sie diese feine Überzeichnung von Dir schon wahrnehmen können.
    Ich hoffe, ich könnte mich einigermaßen verständlich ausdrücken ;), liebe Grüße auch von der jungen Leserin!

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    1. Zuerst einmal: Vielen Dank für Deinen (wie stets) ausführlichen, durchdachten und kompetenten Kommentar. Das ist wahrlich keine Selbstverständlichkeit, kostet ja schließlich auch Zeit und Formulierungsenergie. Also: Merci! Und sage bitte auch ganz herzlich Deiner Tochter meinen Dank! Denn ihr Eindruck ist wirklich sehr interessant. Und führt mich wieder in ein zentrales Schreibproblem: das der Balance. Balance zwischen Spannung und Ausruhen, zwischen Charaktertiefe und Klischee, zwischen Infodumping und Zu-wenig-Hintergrund. Und, hier eben, in der Sprache. Denn freilich wollte ich sowohl für Ältere wie für Jüngere schreiben: Die besten Kinderbücher liest man auch als Erwachsener gern – von Ferien auf Saltkrokan bis Jim Knopf. Das werde ich mir noch einmal genau überlegen – jedenfalls Danke für diesen töchterlichen Anstoß! Also, nochmals liebe Grüße an sie.
      Ach ja, könntest Du sie noch fragen, ob sie die Reimerei vom Kellermann genervt hat? Das war damals das Haupt-Ablehnargument von meiner Lektorin im Verlag …
      Ich wünsche sonnige Sommertage mit weiteren blauhimmligen Lese-Auftankstunden 🙂
      Liebe Grüße!

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      1. Ja, das mochte sie nicht so wirklich. Sie hatte den Vorschlag, die wörtliche Rede von Kellermann einfach etwas einzugrenzen; ihrer Meinung nach sprach er allgemein sehr viel 😉
        Im Übrigen ist nun die Kleinere auch neugierig geworden, und falls es ihr nicht zu gruselig ist, reiche ich entsprechendes Urteil nach.
        Nun ja, ich habe ja im Moment Schreibpause, das Formulieren fehlt mir schon …

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  5. Au ja, da bin ich gespannt 🙂
    Und danke für die Zusatz-Info – ist sehr interessant. Dann sollte ich meinen Kellermann vielleicht doch wirklich etwas (sprachlich) zurecht stutzen. Sag bitte nochmals meinen Dank an die kleine Kritikerin 🙂 !
    Und wenn Dir das Formulieren in der sommerlichen Schreibpause fehlt, dann natürlich – ist mir das nur recht! Liebe Grüße!

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