Bessere Dialolge: ein Schreibtraining in 5 Schritten

Ich glaube, dass jede Autorin, jeder Autor (mindestens) eine Muskelschwäche hat, die es zu trainieren gilt. Die einen haben Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung (wie Kafka zum Beispiel) oder literarischen Landschaftsbeschreibungen, die anderen können Action-Passagen nicht spannend gestalten oder kriegen ihre Plot-Struktur nicht so leicht in den Griff. Bei mir waren es die Dialoge – ich habe einiges an Zeit und ausgedrucktem Papier gebraucht, bevor die Gespräche in meinen Texten „lebendig“ wurden. Deshalb hier ein paar Überlegungen zu den gesprochenen Sätzen in Büchern.

Wiederholen will ich aber auch nix. Sowohl in diversen Schreib-Büchern (etwa dem ohnehin hilfreichen Klassiker von Sol Stein „Über das Schreiben“) als auch im WeltWeitenWeb findet sich schon Vieles und Gutes. Etwa auf der Seite schriftsteller-werden von Jacqueline Vellguth, wo Dialog-Regeln erklärt und sinnvolle Tipps gegeben werden. Auch leixoletti.de geizt nicht mit Hilfestellungen und Erklärungsmodellen dazu, was denn nun einen guten Dialog ausmacht. Schließlich fokussiert sich etwa filmemachen.de auf Drehbücher – die Königsdisziplin des Dialogs.

All das ist sehr, sehr nützlich, klug aufbereitet und sogar essenziell – aber letzten Endes nicht das Wichtigste. Denn summa sumarum gibt es nur eine goldene Regel zum Dialog-Schreiben, nur einen zentralen Nerv, den jedes Text-Gespräch treffen muss.

Das Geheimnis eines guten Dialoges liegt, Tusch und Trommelwirbel, natürlich in dem, was nicht gesagt wird. Ein Gespräch wird erst dann spannend, wenn die Worte selbst eine zweite, versteckte Ebene beinhalten, wenn wir zwischen den Zeilen lesen können und müssen. Natürlich funktioniert ein Dialog auch rein zum Auflockern längerer Prosa-Passagen oder als Vermittler von Information. Aber: Ein Dialog, der verzaubert, sagt immer mehr als die Wörter sagen, lässt stets Gefühle und Befndlichkeiten erspüren. Die Worte selbst lassen den Leser nur ahnen: Mensch, hinter diesen Buchstaben steckt ja eigentlich etwas ganz anderes.

Illustrieren und beweisen soll diesen Gedanken wiederum eine Filmszene (ich glaube, irgendwann öffne ich mal einen Kanal: „Schreiben lernen mit youtube”). Nicht nur irgendeine Szene – sondern vielleicht schlichtweg: die!

Schon genial, wie hier Ungesagtes in den Worten (und, zugegeben, in der Mimik) eingefangen wird.

Also, schaut euch auf die Lippen, Schreiber!

Um aber auf das angekündigte Trainingsprogramm in 5 Schritten zu kommen: Meine Vorschläge (selbst erdacht, selbst erprobt und für gut befunden) zur Verbesserungen der eigenen Dialogfähigkeiten wären:

  1. Schreibt Euch – was Ihr wahrscheinlich ohnehin macht – interessante/witzige/denkwürdige Dialoge auf, die Ihr irgendwo mitbekommen habt. Und dann verkürzt und verknappt sie ein paar Mal. Immer weiter. Bis der Subtext tatsächlich zwischen den Zeilen liegt.
  2. Lest Drehbücher und Theaterstücke. Im Netz gibt es mittlerweile diverse Fischgründe für Drehbücher; ich stöbere beispielsweise immer wieder hier.
  3. Versucht bei Dialekten oder auch nur der typisch-persönlichen Redeweise einer Figur sehr umsichtig vorzugehen. Nichts nervt mehr als eine gekünstelte, übertriebene Dialogsprache. Andererseits ist es toll, wenn es gelingt eine wörtliche Rede schon allein ob ihres spezifischen Klanges einer Figur zuzuordnen. Ist aber schwierig. Ich rate da generell eher zu Zurückhaltung.
  4. Schreibt Eure Dialoge oft um. Experimentiert auch mit den Füllungen. Lasst „sagte er“ und ähnliches immer weg, wenn möglich. Prüft umso genauer, ob noch klar ist, wer da gerade redet.
  5. Nehmt einen fertigen Prosatext, schreibt ihn neu und um als Drehbuch oder Theaterstück, schickt es an dramatische/filmorientierte Wettbewerbe, gewinnt selbige und werdet berühmt!

Viel Spaß dabei!

 

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7 Gedanken zu “Bessere Dialolge: ein Schreibtraining in 5 Schritten

  1. Danke für den hilfreichen Text…
    Selbst, wenn ich behaupten würde, dass Dialoge noch am ehesten mein Steckenpferd sind, sind mir gerade doch noch ein paar Dinge aufgefallen, die ich immer wieder falsch mache. Es ist so schwierig einzuordnen, was man ungesagt lässt und was nicht – das ist, finde ich, das schwierigste bei der ganzen Sache. Sich in den Leser hineinzuversetzen: welche versteckte Andeutung nimmt er wahr? Welche nicht, obwohl sie für die Handlung enorm wichtig ist? Und nicht jeder Leser interpretiert das Gelesene gleich. Vor allem hat man als Leser die Situation nie so lebhaft und detailliert vor Augen, wie als Autor.

    Punkt 5 muss ich auch mal ausprobieren… 😛

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, wiedermal eine Frage der Balance. Und sicher haut man immer wiedermal daneben. Andererseits glaube ich, dass ich mit jeder geschriebenen Dialogzeile mehr das Gefühl für diese Balance bekomme. Irgendwann erreiche ich vielleicht sogar den Punkt, wo ich gerade nicht mehr bewusst darüber nachdenke, was ich nur zwischen den Zeilen sagen lasse und was nicht.

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