„La Grande Belezza“: Ein fellinimäßiger Film für SchriftstellerInnen

Passend zu meinem letzten Blogbeitrag heute mal ein Film-Tipp, der etwas aus der Reihe tanzt: „La Grande Belezza – Die große Schönheit”. Ich stolperte nur zufällig über diesen Streifen und wurde von dem Etikett „Hommage an Fellini“ eigentlich eher abgestoßen – mir ist Fellini einfach zu lang beziehungsweise (bei aller zugestandenen Bildmacht) zu langweilig. Der 1970 geborene Regisseur Paolo Sorrentino gewann 2014 mit seiner „Großen Schönheit“ diverse Preise, unter anderem den Oscar für den „Besten fremdsprachigen Film”. Jedenfalls hatte ich keinerlei, um mit Charles Dickens zu sprechen, „Große Erwartungen“. Der Film brauchte dann prompt auch eine Weile, um in die Gänge zu kommen, viele Einstellungen empfand ich als zu weitschweifig und repetitiv. Es gab also doch einiges, das mich nervte, nicht zuletzt die (natürlich kritisch gedachte) Selbstinszenierung der italienischen High Society.

Trotzdem: „La Grande Belezza“ ist (zu meiner eigenen Verwunderung sozusagen) ein wirklich großartiger Film – auch und gerade für jede Autorin und jeden Autor. Um einen Eindruck zu bekommen, hier der (sehr schön gemachte) Trailer:

Der Film lebt von seinen ästhetischen, kraftvollen Bildern und von seinem Hauptdarsteller: Toni Servillo spielt den alternden Schriftsteller Jep Gambardella charismatisch und so ehrlich, wie ein Intelektueller in der Schickeria Italiens wohl sein kann. Und ich nahm ihm auch den Künstler ab: Schon im Trailer sieht man, wie er, ganz beobachtender, aufnehmender Autor am Tiber entlangspaziert. Er nimmt die Architektur wahr, die Luft und die Menschen, die ihm begegnen. Er beobachtet. Und er sucht: die große Schönheit eben, die er beschreiben und aufschreiben möchte. Er sucht sein Thema, eben „La grande belezza“, der er seinen zweiten Roman widmen möchte. Nur leider sucht er bereits seit 40 Jahren, hat seit seinem ersten Buch demzufolge nichts veröffentlicht. Und diese tragisch-komische Sehnsucht eines Autoren nach seinem Thema – die nahm ich ihm ab. Toni Servillo überzeugt: Wie er als Schriftsteller seine Umwelt beobachtet, begreift und bedenkt – das ist überragend gespielt.

Wahrscheinlich gäbe es noch viel zu sagen über Kameraführung, Lichtregie, über Kostüme und Kulissen. Aber ich bin kein Filmkritiker. Außerdem habe ich beileibe nicht alles verstanden, was da so passierte. Aber die Atmosphäre und die Thematik packten mich. Und die Bilder sind stellenweise wirklich faszinierend. Leider läuft die poetischste Szene des Films (die zum Glück nicht, wie so oft, im Trailer verbraten wurde) erst in der 122sten von 135 Minuten – sagte ich schon, dass mir der Film zu lang erschien?

Und sicher hätte ich ihn nicht länger als zehn Minuten geschaut, wenn nicht gleich zu Beginn eine Musik mich gefangen nahm, die leitmotivisch immer wiederkehrte: „I lie“ von David Lang. So ähnlich wie ich kein Fan von Fellini bin, so bin ich auch keiner dieser minimalistischen Musik. Aber bei der „Großen Schönheit“ – da war offenbar alles ein bisschen anders …

 

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