Shadows in the Sun – Unter dem Himmel der Toskana

Erst vor kurzem entdeckte ich diesen Film von 2005, der mir ausnehmend gut gefiel. Gedreht hat ihn der Amerikaner Brad Mirman, bis dahin eher als Drehbuchautor von Action-Streifen bekannt. Dementsprechend einfach gestrickt ist die Story dann auch: Junger Lektor, der natürlich eigentlich Schriftsteller sein möchte, wird in die Toskana geschickt um dem großen, alten (fiktiven) Autor Weldon Parish ein neues Roman-Manuskript aus den Rippen zu leiern. Der suhlt sich nach dem Tod seiner Frau nämlich seit Jahrzehnten in Selbstmitleid, Schreibblockade und knurriger Misanthropie. Der junge Schreiberling muss sich denn auch arg anstrengen, um das Herz des Alten zu berühren – und verliert sein eigenes wenig überraschend an die hübsche Tochter des Meisters.

So kurz, so kitschig.

Hier der Trailer:

Obwohl also diverse Klischee-Glocken klingeln, funktionierte der Film für mich wunderbar, was freilich wieder einmal den Schauspielern geschuldet ist: Getragen wird „Shadows in the Sun“ von einem großartigen Harvey Keitel, dem sympathischen „Fringe“-Schauspieler Josh Jackson und Claire Forlani, die mir zum ersten Mal im Ausnahmefilm „Rendevouz mit Joe Black“ auffiel. Aber auch der restliche Cast macht seine Sache sehr gut. Insgesamt ist es aber Harvey Keitel, der all dem Toskana-Rosarot seine eigene Landschaft – sein faltiges, ausdrucksstarkes Gesicht – entgegenstellt.

Erstaunlich fand ich aber auch, dass in diesem Film die Themen Kreativität und Schreiben wirklich aufgegriffen und nicht nur als auslösendes Moment behandelt werden. Das wird auf unterschiedlichste Weise umgesetzt – entweder in rein filmischer Manier, wie in dieser Szene:

Herrlich, wie die Phantasie des Schreibenden die Impulse der Umwelt aufnimmt und zu träumen beginnt. Aber auch die Gespräche zwischen Keitel und Jackson, zwischen Lehrer und Schüler, nehmen Lust und Last des Schreibens – bei aller Toskanaschönheit – verblüffend ernst:

„Nimm die Worte als Farben und das Papier als Leinwand“, rät der alte Schriftsteller dem jungen Autor und spricht mir wahrlich aus der Seele: Allzu oft scheint mir bei heutigen Texten die Sprache hinter Plot, Charakterentwicklung oder Spannungsaufbau zu verkümmern.

Insgesamt mochte ich diesen Film sehr gerne: Jede Autorin, jeder Autor, der amerikanische Komödien nicht prinzipiell ablehnt, wird seine Freude damit haben. Wer sich also jetzt angesprochen fühlt: Leider herrscht um den Titel ein ziemliches Kuddelmuddel. Als italienisch-britisch-französische Koproduktion heißt der Streifen im Süden „Vengo a prenderti“ (was, wenn ich meinem Cappuccino-Italienisch trauen darf, soviel heißt wie „Ich komme um dich abzuholen“), im englischen Norden „The Shadow Dancer“ und bei uns – warum auch immer in zwei Varianten – entweder „Liebe lieber italienisch“ oder eben „Shadows in the Sun – Unter dem Himmel der Toskana“. Um diese Verwirrung komplett zu machen, existiert noch ein weiterer Film mit identischem Titel: „Shadows in the Sun“ von 2009 des Regisseurs David Rocksavage (dem im bürgerlichen Leben, kein Witz, aktuellen Lord Chamberlain von England).

Also, viel Spaß beim Suchen. Und Finden. Und Schauen.

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Ein Gedanke zu “Shadows in the Sun – Unter dem Himmel der Toskana

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